	III. Stimme und Sprache.	77

Schlundes, als unseres eigentliehsten und wesentlichsten Articula-
tions- oder Spraeborgans. Hierdurch erffnete ich Ihnen einen
Blick auf das Endziel unserer ganzen wissenschaftlichen Wanderung,
als welches ich Ihnen die Gewinnung einer befriedigenden Einsieht
in das Wesen und die Bildungsweise der einzelnen
Stimm- und Sprachlaute hinstellte.
	Ich knnte nun sofort dieses unser heutiges Thema in Angriff
nehmen, allein ein en Gegenstand muss ich noch zur Sprache bringen,
um Sie mit den Hilfsmitteln zum exaeten Studium der Stimm- und
Lautbildung - von denen ich Ihnen die lehrreichen Versuche am
knstlichen und todteu Kehlkopf bereits das vorige Mal vorfhrte -
vollstndig bekannt zu machen, damit Sie ein durch eigenes Urtheil
begrndetes Vertrauen zu den Resultaten unserer Wissenschaft gewin-
nen mchten
	Der Gegenstand, welchen ich meine, ist jene Methode der dire e-
ten Untersuchung und Besichtigung des Kehlkopfes am
1 e b en d en Menschen, zu deren endlichen Begrndung und allseitigen
physiologischen sowie medieiniseh - chirurgischen Verwerthung ich
selbst, ver mehr als einem Deeeunium, den ersten erfolgreichen Anstoss
gegeben, und- fr welche ich den seither allgemein gebruchlichen
Namen der L aryn go sk opi e eingefhrt habe.
	Da der Mund und der Schlund unter einem Winkel zusammen-
stossen und somit als Ganzes einen in der Gegend der Zungenwurzel
geknickten rhrenfrmigen Hohlraum darstellen, so ist es begreiflicher-
massen unmglich, ohne Weiteres bis an das Ende des Schlundes
oder gar in den Kehlkopf, oder durch denselben hindurch, in die Luft-
rhre zu blicken.
	Man msste sozusagen nm die Ecke zu sehen vermgen, urn dies
zu knnen.
	Es ist aber in der That sehr leicht um die Ecke zu sehen, jedoch
nur vermittelst eines Spiegels, den man in geeigneter Stellung bis ber
die hindernde Ecke hinaus vorschiebt.
	In Holland ist es ganz allgemein in Gebrauch, aussen vor den
Fenstern der Wohnungen Spiegel - sogenannte Sl)ione - in solcher
Neigung und Stellung anzubringen, dass sie das Bild der Strasse zu-
rekwcrfen und somit einem im Zimmer sitzenden Beobachter erlauben,
ohne dass er den Kopf zum Fenster hinaussteeken msste, von seinem
bequemen Grossvaterstuhl - aus zu sehen, was draussen vorgeht, oder
wer etwa an der Hausthr lutet. Fr unwillkommene Besuche ist
dann der um die Ecke sehende, selbst aber unsichtbare Hausherr -
ohne sieh zu eompromittireu - nicht daheim.
