- 	Populäre physiologische Vorträge.
schwellenlassen durch entsprechende Verkürzung der Stimmritze zu
corrigireu.
	3 Was endlich die verschiedene K 1 an g far b c oder den Timbre
des Stimmtons betrifft, so liegt die Veranlassung hierzu entweder in
der Resonanz des veränderlichen Ansatzrohrs - und davon werde ich
bei der Erklärung der Vocalbildnng ausführlich sprechen - oder aber
in einer verschiedenen Form der Stimmbandschwingnngen, also in
einer modificirtcn Art der Stimmerzeugung im Kehlkopf selbst.
	Es gibt nämlich zwei Unterarten der Stimmerzeugung im Kehl-
kopf, oder - um musikalisch zu sprechen - zwei Stimmregister von
verschiedener Klangfarbe. Das eine Register gibt die Br u 5 t stimme,
das andere die Fistel oder Kopfstimme.
	Die erste hat im Ganzen eine tiefere Lage als die letztere, doch
sind mehrere Tonhöhen beiden gemeinschaftlich und können bald mit
Brust-, bald mit Fistelstimme angegeben werden, wobei dann der
cigcnthümlichc Unterschied der Klangfarbe beider Register besonders
auffallend wird.
	Die Erklärung der Fistelstimme liegt nun darin, dass bei ihrer
Erzeugung die Ränder der Stimmbänder sowohl, als die der Taschen-
bänder, weiter von einander abstehen, als für Brusttöne, womit die
bekannte Erfahrung übereinstimmt, dass ein Fistelton mit dem gleichen
Lnftvorrath nicht so lange Zeit in derselben Stärke angeblasen werden
kann, wie ein gewöhnlicher.
	Zugleich ist es wahrscheinlich, dass beim Fistclton nur eine
schmale Zone des freien Randes der Stimmbänder schwingt, während
beim Brustton die Sfimmbandrändcr in ihrer ganzen Breite und Dicke
oder Höhe vibriren. Ein weiterer Unterschied zwischen den beiden
Registern macht sich noch dadurch geltend, dass bei der vollen ge-
wöhnlichen Stimme - wie die aufgelegte Hand deutlich fühlt - die
Luftröhre und die Brustwandungen in Erzitterungcn gcrathcn, während
bei der Falsctstimmc Erzittcrungcn der Brust fehlen, dagegen aber in
den schwingungsfähigen Thcilcn des Kopfes wahrgenommen werden,
weshalb mit Recht letztere die K o p fs tim m c, erstere die B r us t -
stimme genannt wird.
	4) Der Umfang der menschlichen Singstimme ist beträchtlichen
individuellen Schwankungen unterworfen und beträgt gewöhnlich
l_21/m Octaven.
Bei bevorzugten Naturen vergrössert sich der Umfang um 1/m_i
Octave und mehr.
	Die CATALANT hatte z. B. 31 Octaven brauchbarer Singtöne in
der Kehle.
