	III. Stimme und Sprache.	99

seine Unterbrechung mit einem eigenthümlichen Geräusch verbunden,
und dieses gibt die nächste Doppelreihe von Consonanten oder Mit-
lauten:

6) die Versehiusslaute.
	In jedem der drei Artiknlationsgebiete gibt es deren zwei, die
sich von einander wesentlich nur dadurch unterscheiden, dass bei der
einen Reihe, den sogenannten w ei eh en, die laute oder geflüsterte
Stimme mitklingt, gerade so wie bei den Resonanten, mit denen diese
weichen Verschlusslaute somit bis auf den Nasenverschluss identisch
sind. Durch das Mitlauten der Stimme entsteht bei ihnen nämlich ein
besonderer, sie von den Resonanten und von den h art en Verschluss-
lauten wesentlich unterscheidender Laut, welchen PTJnKYNE sehr
treffend den Blählaut genannt hat, weil das allseitig verschlossene,
keinen Abfluss der Stimmluft gestattende Ansatzrohr dabei aufge-
bläht wird.
	Bei der anderen Reihe der Verschlusslaute, den sogenannten
harten, bleibt die Stimme hingegen absolut aus. Das an den
einzelnen Artikulationsgebieten durch den Verschluss oder dessen
Unterbrechung erzeugte explosive Geräusch lautet hier für sieh selbst
an und macht allein den ganzen Sprachlaut aus; verdienen diese Laute
nicht mit vollem Recht den Namen der »Selbstlaute« statt jenes ge-
bräuchlichen der »Mitlaute«?
	Man hört zum Unterschiede von den weichen Verschlusslauten,
die echte »Mitlaute« sind, nicht das Mindeste von einem sie begleiten-
den Blählant. Man spreche nur ba und pa möglichst charakteristisch
nacheinander auS, so wird man hei einiger Aufmerksamkeit sogleich
finden, dass beim ba die Stimme (als Blählaut) schon fr II her zu hören
ist, als der Lippenversehluss durchbrochen wird und der Vocal a an-
lautet, während beim pa erst mit dem explosiven a der Stimmton ein-
setzt. Vergleicht man ein richtig ausgesprochenes ab und ap, so
findet man, dass beim ap der Stimmton mit der Herstellung des Lippen-
verschlusses plötzlich und vollständig verstummt, während beim
ab der Stimmton (als Blählaut) auch na eh der Herstellung des Lippen-
verschlusses noch gehört wird.
	Neben dem erörterten einzig wesentlichen Unterschiede der beiden
Reihen von Versehlusslauten kommen allerdings auch noch unterge-
ordnete Verschiedenheiten zwischen ihnen in Bezug auf die Plötzlich-
keit und Energie oder Härte des Verschlusses und dessen Unterbrechung
vor - daher die Eintheilung in harte und weiche. Viel bezeichnender
ist es aber die ersteren ton 10 s e, die letzteren tönend e Verschluss-
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