﻿84
Populäre physiologische Vorträge.
lauten Reden, —oder sie ist tonlos, ein blosses Geräusch, -wie beim flüsternden Sprechen.
Was die Erzeugung der Flüsterstimme angelit, so habe ich durch directe laryngoskopische Beobachtungen gezeigt, dass sielt dabei die Ränder der Stimmbänder einander nähern, indem zugleich die mehr oder weniger stark nach innen gedrehten Stimmfortsätze einen stumpf vorspringenden Winkel bilden (vgl. Fig. 20 C). In dieser »Enge» reibt sich nun der mit Absicht kräftiger durchgetriebene Luftstrom und es entsteht daselbst ein Geräusch, welches eben die Flüsterstimme ist.
Von dem lauten Stimmton habe ich bereits im ersten Vortrag angegeben , dass zu seiner Erzeugung überhaupt eine gewisse Spannung und Stellung der Stimmbänder und eine gewisse Stärke des anblasenden Luftstroms erforderlich ist ; — ich schulde Ihnen aber noch die Erklärung der unterschiedlichen Eigenschaften, welche an der Stimme und ihren Tönen wahrzunehmen sind: die Erklärung nämlich ihrer Stärke, ihrer musikalischen Höhe, ihrer Klangfarbe, des Stimmumfangs und der Stimmlagen.
1)	Die Stärke des Stimmtons hängt unter übrigens gleichen Umständen von der Grösse der Schwingungen ab, welche die Stimmbänder ausführen ; mit der Mächtigkeit und Gewalt des anblasenden Luftstroms wächst die Grösse der Stimmbandexcursionen und damit die Stärke des erzeugten Tons.
Sehr lautes Singen und Sprechen strengt daher weit mehr an. als gewöhnliches.
2)	Die musikalische Höhe des Stimmtons ist, wie bekanntlich überhaupt jede Tonhöhe, nur abhängig von der absoluten Anzahl der in einer Secunde erfolgenden Schwingungen.
Die Stimmbänder schwingen aber, ganz ähnlich wie Saiten, um so häufiger und geben somit einen um so höheren Ton, je mehr sie gespannt sind und je mehr sie verkürzt werden. Der geringeren Stimmbandlängenwegen geben daher im allgemeinen die kleineren Kehlköpfe der Kinder und Frauen höhere Töne, als die grösseren der Männer.
a Auf die Spannung der Stimmbänder hat Einfluss : die willkürlich veränderliche Entfernung der Spitzen der Stimmfortsätze der Stellknorpel, von der Mitte des Spann- oder Schildknorpels, zwischen welchen Punkten, wie Sie sahen, die Bänder festgewachsen sind, — und dann auch noch die Gewalt des Exspirationsluftstroms, der die Bänder beim Anblasen der Stimmritze mehr oder weniger stark nach oben wölbt und demgemäss um so stärker dehnen und spannen muss, je mächtiger er ist.