﻿S6	Populäre physiologische Vorträge.
schwellenlassen durch entsprechende Verkürzung der Stimmritze zu eorrigiren.
3	Was endlich die verschiedene Klangfarbe oder den Timbre des Stimmtons betrifft, so liegt die Veranlassung hierzu entweder in der Resonanz des veränderlichen Ansatzrohrs — und davon werde ich bei der Erklärung der Vocalbildung ausführlich sprechen — oder aber in einer verschiedenen Form der Stimmbandschwingungen, also in einer modificirten Art der Stimmerzeugung im Kehlkopf selbst.
Es gibt nämlich zwei Unterarten der Stimmerzeugung im Kehlkopf, oder — um musikalisch zu sprechen — zwei Stimmregister von verschiedener Klangfarbe. Das eine Register gibt die Brust stimme, das andere die Fistel oder Kopf stimme.
Die erste hat im Ganzen eine tiefere Lage als die letztere, doch sind mehrere Tonhöhen beiden gemeinschaftlich und können bald mit Brust-, bald mit Fistelstimme angegeben werden, wobei dann der eigenthümliche Unterschied der Klangfarbe beider Register besonders auffallend wird.
Die Erklärung der Fistelstimme liegt nun darin, dass bei ihrer Erzeugung die Ränder der Stimmbänder sowohl, als die der Taschenbänder , weiter von einander abstehen, als für Brusttöne, womit die bekannte Erfahrung übereinstimmt, dass ein Fistelton mit dem gleichen Luftvorratli nicht so lange Zeit in derselben Stärke angeblasen werden kann, wie ein gewöhnlicher.
Zugleich ist es wahrscheinlich, dass beim Fistelton nur eine schmale Zone des freien Randes der Stimmbänder schwingt, während beim Brustton die Stimmbandränder in ihrer ganzen Breite und Dicke oder Höhe vibriren. Ein weiterer Unterschied zwischen den beiden Registern macht sich noch dadurch geltend, dass bei der vollen gewöhnlichen Stimme — wie die aufgelegte Hand deutlich fühlt — die Luftröhre und die Brustwandungen in Erzitterungen gerathen, während bei der Falsetstimme Erzitterungen der Brust fehlen, dagegen aber in den schwingungsfähigen Theilen des Kopfes wahrgenommen werden, weshalb mit Recht letztere die Kopfstimme, erstere die Bruststimme genannt wird.
4	Der Umfang der menschlichen Singstimme ist beträchtlichen individuellen Schwankungen unterworfen und beträgt gewöhnlich t—2 y2 Octaven.
Bei bevorzugten Naturen vergrössert sich der Umfang um >/2—1 Octave und mehr.
Die Catalaxi hatte z. B. 3'/2 Octaven brauchbarer Singtöne in der Kehle.