88 	Populre physiologische Vortrage.

UNGER-SABATIER etc., laryngoskopisch zu untersuchen, und kann
Sie versichern, dass ich mich fast getrauen mchte, mit dem Kehlkopf-
spiegel in der Hand, bei verstopften Ohren, zu ersehen, ob ich es
mit dem Organ eines gebildeten Sngers zu thun habe oder nicht; -
und das nur aus der Prcision und dem gracisen Schwung der Bewe-
gungen der Stellknorpel, der Stimmbnder u. s. w. beim Singen, und
aus der Schnheit und Harmonie der rumlichen Verhltnisse der
Theile.
	Um Sie auch noch einen Blick auf den Revers der Medaille thun
zu lassen, fge ich diesen Mittheilungen ber die Bedingungen des
Wohllauts der Stimme hinzu, dass die Stimme unschn, klanglos und
heiser wird, ja endlich in ihr vollstndiges Gegentheil, die Stimmlosig-
keit oder Aphonie, umschlagt, wenn entweder die Stimmbnder durch
Ungeschick oder Lhmung der Kehlkopfmuskeln, durch krankhafte
Auswchse und Auflagerungen oder Substanzverluste, durch Schwel-
lung u. dgl. an der Bildung einer scharf begrenzten, gleichmssig
elastischen Stimmritze, und an der Regelmssigkeit der Schwingungen
gehindert werden: - oder wenn die rumlichen Verhltnisse und die
Structur der resonirenden Hhlen und Gebilde ungnstig oder krank-
haft verndert sind.
	Die laryngoskopische Untersuchung - und darin liegt ihr unend-
licher diagnostischer Werth - lsst nun erkennen, mit welcher Art
von Stimmstrung man es zu thun hat, und welche Behandlung der
Fall erfordert.
	Vor Begrndung der Laryngoskopie tappte man, oft zum grssten
Nachtheil der Leidenden, in vollstndiger Finsterniss umher!
	Noch bemerke ich, dass die Stimme - namentlich von Sngern,
welche mehr darauf achten, - oft bereits an ihrem Schmelz und
Wohlklang einzubssen beginnt, wenn noch nicht die geringsten
Spuren sichtbarer krankhafter Vernderungen an den Stimm-
organen zu entdecken sind; es handelt sich dann um leise Strungen
in der mikroskopischen oder gar in der innersten atomistischen Con-
stitution der organischen Gebilde und Gewebselemente.
	Sind die krankhaften Vernderungen bereits sichtbar, wenn
auch scheinbar ganz unbedeutend, so knnen sie hufig schon eine bis
zur Aphonie sich steigernde Stimmstrung bedingen, whrend dagegen
manchmal trotz der auffallendsten und scheinbar strendsten Erkran-
kungen der Theile noch eine berraschend gute und klangvolle oder
doch ausreichende Stimmbildung zu Stande kommt. Dies hngt immer
davon ab, in wie w cit durch die specielle Art und durch den Sitz
der Erkrankung die Herstellung der bekannten wesentlichen
