92 	Populre physiologische Vortrge.

der zweiten Hohlkugel enthaltene Luft aber nicht, indem diese nicht
auf den Stimmgabelton abgestimmt ist.
	Dieser Versuch hat Ihnen gezeigt, dass lufthaltige Hohlrume von
bestimmten Dimensionen fr bestimmte Tne abgestimmt sind und
diese durch Resonanz verstrken knnen.
	Und wenn ich noch hinzufge, dass es dabei durchaus nicht auf
das Material der Wandungen ankommt, sondern wesentlich nur auf
die Form und Grsse des Hohlraums im Verhltniss zu der Oeffnung
desselben, so wird es klar sein, dass auch die Mundhhle fr verschie-
dene bestimmte Tne abgestimmt sein msse, je nachdem sie selbst
und ihre Oeffnung im Gesicht verschiedene Formen und Dimensionen
annimmt - was durch die Bewegung des Unterkiefers und die Gestalt-
und Stellungsvernderungen der Zunge, des Gaumensegels und der
Lippen ermglicht wird.
	Da nun bekanntlich fr jeden der Vocale u, o, a, e, i u. s. w. die
Mundspalte sowohl als die Mund- und Rachenhhle andere und zwar
immer constante Formen und Dimensionen annehmen, so kann es Sie
nicht wundern zu erfahren, dass der sogenannte Eigenton der
Mundhhle fr jeden Vocal ein anderer und ein constauter ist.
	Es hat HELMIIOLTZ diese fr die einzelnen Vocale charakteristi-
schen Eigentne des Ansatzrohrs musikalisch bestimmt.
Fr u fand er das kleine f
	 o das eingestrichene b'
 a . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .	b"
	 e aber 	[ und b''
	 cc 	g" und cl"
	c 	f (?) und cl"
	)) oe 	f' und g"-as"
	 ne endlich . 	f und g"-as".
	Bei den drei zuerst genannten Vocalen hat die Mundhhle nur
einen Eigenton, bei den brigen aber zw ei, indem das Ansatzrohr
fr diese letzteren die Form einer Art Flasche mit weitem Bauch und
engem Hals annimmt - und Hals und Bauch jeder auf einen anderen
Eigenton abgestimmt sind.
	Die Stimme ist, wie Sie wissen, kein einfacher Ton, sondern ein
Klang, d. h. eine Mischung aus einem Grundton und einer Reihe von
sogenannten harmonischen Obertnen, welche gleichzeitig erklingen,
fr unser Ohr aber zu einer akustischen Einheit verschmelzen und von
deren Strke und Anzahl, wie ich im vorigen Jahre zeigte, eben die
Klangfarbe oder der Timbre abhngt (vgl. 5. 55 u. f.).
Wenn nun die Stimme in die Mundhhle gelangt, so werden jene,
