	III. Stimme und Sprache.	93

und zwar nur j en e Obertne durch Resonanz (wie der Stimmgabelton
durch unsere Hohlkugel) verstrkt, welche mit dem charakteristischen
Eigenton der Mundhhle zusammenstimmen.
	Die Stimme muss daher stets eine bestimmte andere. Klangfarbe
annehmen, denn fr jeden Vocal sind ja die Eigentne der Mundhhle
andere, und somit werden immer andere Obertne im Stimmklang ver-
strkt. Von der Art der To nini s eh u n g hngt aber eben, wie gesagt,
die Klangfarbe ab.
	Darin liegt also das nunmehr aufgehellte Geheim-
niss derVoealbildung. HELMII0L'rzist esgelungen, auseinfaeheu
Stimmgabeltnen Klnge zusammenzusetzen, deren Frbung mit den
Vocalen vollstndig bereinstimmte. Er hat somit die Vocale knst-
ii eh erzeugt und durch diese Synthese die schlagende Probe auf die
Richtigkeit seiner Erklrung der Voeale gemacht. Im vorigen Jahre
habe ich Ihnen einen Versuch 1) zu Gehr gebracht, welcher dasselbe
beweist, und den grossen Vortheil hat, Jedem zugnglich zu sein, dein
ein Klavier zur Disposition steht. Sie erinnern sieh, dass uns die
Voeale, welche ich mit lauter Stimme gegen die Besaitung eines geff-
neten Flgels rief, whrend die Dmpfung gehoben war, in ihrer
speeifisehen Klangfarbe, wie beim Echo, aus dem Flgel zurck-
tnten. Indem die ins Klavier hineingerufenen Voealklnge nur jene
Saiten in strkere oder seh\tehere Mitsehwingungen versetzten, welche
den strkeren und schwcheren ein fa eh en Tnen entsprechen, aus
denen der Vocal zusammengemischt ist, konnte - wenn die gegebene
Erklrung der Vocalbildung richtig ist - der Versuch auch kein an-
deres Resultat geben - und umgekehrt.
	Bei der Flstersprache entstehen die Voeale einfach durch An-
blasen der Mundhhle, indem sieh der wachgerufene charakteristische
Eigenton derselben dem Gerusche der Flsterstimme beimischt.
	Bei einiger Aufmerksamkeit, namentlich bei Vergleichung meh-
rerer hintereinander geflsterter Voeale lassen sieh die eonstanteu
und charakteristischen Tonhhen recht deutlich aus dem Gerusch
heraushren.
	Lsst man die geflsterten Voeale - besonders u oder it in lautes
Mundpfeifen bergehen, indem man den wahrgenommenen Eigenton
beim Pfeifen festhlt, so kann man die Mundhhle als eine Art natr-
licher Stimmgabel brauchen, weil die voealisehen Eigentne eonstante
absolute Tonhhe haben.
Sehr interessant ist noch, dass fr denselben Vocal die eharak-

1 Vgl. S. 57 u. f.
