	III. Stimme und Sprache.	79

	Aber Sie werden vielleicht einwenden - und dieser Einwand ist
sogar von gelehrter Seite gemacht worden! - »das eingeführte Glas-
oder Metallspiegelehen muss sieh ja vom Hauche beschlagen und trübe
werden. Wie soll man damit deutlich sehen«?
	Beruhigen Sie sich - die geringste Ueberlegung wird Ihnen sagen,
dass eine Spiegelflache in einer mit Wasserdampf gesättigten Atmo-
sphäre, wie der Athcm es ist, vollkommen blank bleibt, wenn der
Spiegel vorher etwas erwärmt worden ist; - nur der kalte Spiegel
beschlägt sich mit condcnsirtcm Wasserdampf.
	Der Gedanke, das einfache Princip der Spiegelung zur Beleuch-
tung und Besichtigung des Kehlkopfes anzuwenden, liegt, wie Sic
zugeben werden, in der That ausserordentlich nah - so nah, dass
man sich nicht wundern kann, dass derselbe schon zu Anfang dieses
Jahrhunderts, ja vielleicht noch früher wirklich gefasst und zu reali-
siren versucht wurde - zu verwundern scheint dabei mi Gcgcnthcil
nur, dass dies nicht schon vor viel längerer Zeit geschehen ist, und
dass die endliche erfolgreiche Ausführung und allseitige Vcrwcrthung
eines so einfachen Gedankens erst der Neuzeit angehört.
	Diese Art von Verwunderung, welche uns - seit dem berühm-
ten Ei des Columbus - einer scheinbar oder wirklich einfachen Neuig-
keit gegenüber, nur zu leicht überkommt, wird jedoch bedeutend
abgeschwächt, wenn man erfährt, welche Schwierigkeiten und Zwei-
fel wir Alle zu überwinden fanden, die wir uns zuerst und ohne
Anleitung mit der Ausführung eines so nahe liegenden Gedankens
befassten.
	Nachdem die überraschende Leistungsfähigkeit des Kehlkopf-
spiegels einmal aufgezeigt war und namentlich jetzt, wo die Laryn-
goskopie überall systematisch gelehrt und geübt wird, ist es freilich
kaum mehr begreiflich, wie jene ersten Schwierigkeiten und Zweifel
sich als so mächtig erweisen konnten, dass sie auch nicht einen
einzigen meiner vielen Vorgänger - von BAuINo'roN (1827), BAUMEs
(1838), LI5T0N (1840), WARDEN und AVERY (1844) bis auf GARCIA
(1854) und TÜReN (1857) - dazu kommen liessen, den wahren Werth
des Kehlkopfspiegels in seinem ganzen Umfange zu würdigen, und
nicht eher zu ruhen, bis die Laryngoskopie fest begründet war.
	Ja, der zuletzt genannte Arzt erklärten o eh, meinen ersten Pu-
blicationen und Resultaten gegenüber, und recht eigentlich im Gegen -
satz c zu den von mir vertretenen Ueberzeugungen, öffentlich - und
liess es sogar drucken, »dass er weit entfernt sei, allzu san-
guinische Hoffnungen von den Leistungen des Kehlkopf-
spicgels in der Praxis zu hegen«. Hinterher freilich überzeugte
