	III. Stimme und Sprache.	91


2: Die Voeale
- die erste Gruppe von den Sprachlauten, die wir betrachten wol-
len - wurden erst durch HELMHOLTZ in ihrem wahren Wesen er-
kannt und befriedigend erklärt.
	So Verdienstliches auch früher schon über die Vocalbildung
geleistet worden war, ein volles und gründliches Verständuiss der-
selben konnte nicht eher erzielt werden, als bis das eigentliche Wesen
der Klangfarbe oder des Timbres aufgeklärt war - wie es endlich
HELMHOLTZ gelungen ist, denn - um es kurz zu sagen: die Vo cal e
sind verschiedene Klangfarben der Stimme, hervor-
gebracht durch die Resonanz der für bestimmte Ton-
höhen abgestimmten Mund- und Rachenhöhle.
	Sie sehen hier eine hoble Mes-
singkugel von bestimmten Dimen-
sionen; sie schliesst Luft ein, wel-
che
che nur durch eine kreisrunde Oeff-
nung mit der Atmosphäre zusammen-

Hier habe ich eine Stimmgabel,
	ich fasse sie an ihrem Griff und				-
	schlage mit ihr kräftig auf einen an
	die Tischkante angenagelten Kork;
- sie gibt einen Ton, welcher äus-
	serst schwach ist, so dass ihn die
	wenigsten von Ihnen hören.
		Bemerken Sie aber wie der Ton
	anschwillt und im ganzen Saale hör-
	bar wird, so oft ich die Oeffnung der
	messingenen Hohlkugel der Gabel
	nähere (vgl. Fig. 33).
		Hier ist eine zweite Hohlkugel	Fig. 33. if eine Hohlkugel yen Messing mit
			einer runden Oeffnung es; 9 Stimmgabel mit
	von gleicher Art - aber von ganz			Holzstiel.
	anderen Dimensionen als die erste.
	Ich nähere ihre Oeffnung - wie vorhin - der schwingenden
Stimmgabel. Aber siehe da, der Ton wird jetzt nicht verstärkt, um,
wie vorhin, hörbar zu werden.
	Warum gelingt nun der Versuch mit der ersten, nicht aber mit der
zweiten Hohlkugel? Einfach darum, weil die erste Kugel auf den Ton
der Stimmgabel genau abgestimmt ist und daher die in ihr enthaltene
Luft in gleichwerthige Mitsehwiugungen gerathen kann, die in
