100 	Populäre physiologische Vorträge.

laute zu nennen, weil man damit eben das Wesentliche des Unter-
schiedes in den Namen fasst.
	Die Verschlusslaute für das erste Artiknlationsgebiet sind b und
p, fur das zweite d und t, und für das dritte g und /i (vgl. Fig. 35).
	Es ist eine auffallende Erscheinung, die ich hier nicht umgehen
will, dass gewisse deutsche Stämme, z. B. die Sachsen und Thüringer,
diesen doch so auffallenden Unterschied des Mitlantens und Nichtmit-
lantens der tönenden oder geflüsterten Stimme, wie es scheint, weder
aufzufassen noch am richtigen Orte zu erzeugen im Stande sind.
Mein für die Wissenschaft zu früh verstorbener Freund SCHLEICHEn
pflegte in seiner drastisch scherzhaften Weise diesen Mangel für par-
tielle Taubstummheit zu erklären.
	Wenn der Verschluss an den Artikulationsgebieten kein voll-
ständiger ist, sondern wenn statt dessen nur eine Verengerung dieser
Stellen des Ansatzrohres zu Stande kommt, in welcher sich die Luft
reiben muss - und das ist der z w ei t e Modus der selbstständigen
Geräuschbildung im Ansatzrohr - so entstehen


7) die Reibungslaute.
	Es sind dies Geräusche, welche in den localen Verengerungen
des Ansatzrohres in ganz ähnlicher Weise erzeugt werden, wie das
Geräusch der Flüsterstimme oder des h in der verengten Stimmritze.
	Die Reibungslaute zerfallen genau so wie die Versehlusslante in
weiche oder tönende, bei denen das Stimmritzengeräusch oder
der laute Stimmton mitlautet - und in harte oder tonlose, bei
denen der Kehlkopf absolut still ist.
	Im ersten Artikulationsgebiet haben wir w als tönenden, f als
tonlosen Reibungslaut. Ersteres geht in letzteres über, wenn die laute
oder flüsternde Stimme absolut unterdrückt wird. Beiläufig muss ich
hier die unrichtige Behauptung zurückweisen, dass man beim Sprechen
mit Flüsterstimme w von f nicht soll unterscheiden können.
	Im zweiten Artikulationsgebiet haben wir z (französisch) oder
das tönende s (in »Rose«) und das scharfe oder tonlose s (in Ross).
	Wird das s sehr weit vorn, sozusagen an der Grenze des ersten
und zweiten Artikulationsgebiets gebildet - indem sich die Zungen-
spitze bis zwischen die Ränder der Schneidezähne schiebt, dann ent-
steht das t"i der Engländer und Neugriechen, welches ebenfalls tonlos
und tönend sein kann. Im dritten Artiknlationsgcbiet haben wir end-
lich j und die eh-Laute (vgl. Fig. 35).
Der dritte Modus der selbstständigen Geräuschbildung im An-
