Erklärung der Abbildungen. 	103

Gefühle und Gedanken dienen - aus Elementen sich zusammen-
setzen, welche obj ectiv betrachtet thatsächlieh nichts anderes sind,
als akustische Phänomene, welche sich vom Munde des Sängers und
Redners durch den Luftraum in das Ohr des Hörers mechanisch
fortpflanzen - ohne dass ihnen irgend etwas von Geist inne wohnte.
	Was zwischen Mund und Ohr - zwar unsichtbar, aber nicht un-
erkennbar - den Raum erfüllt - das ist eine sinnlose rein mecha-
nische Schallwellenbrandung!
	Erst im Gehirn des versländnissfahigen Hörers findet die Trans-
substantiation des ausschliesslich materiellen Bewegungsvorgangs der
Stimm- und Sprachlaute in den psychischen Zustand der Empfindung,
des Gefühls und des Gedankens statt.
	Gedanke und Gefühl wird - ausgesprochen - factisch zu be -
wegter Materie - und diese verklärt sich im Bewusstsein des
Hörers erst wieder zu Gefühl und Gedanke.
	Der Weg von Bewusstsein zu Bewusstsein führt eben - so wenig
anmuthend dies für den idealen Sinn schöner Seelen immerhin sein
mag - ohne Gnade mitten durch die so verachtete grobe Materie -
	Indem ich schliesse, kann ich nicht umhin - mit Rücksicht auf
meinen 'zu Ostern bevorstehenden Abgang nach Leipzig - Ihnen,
meine hochgeehrten Anwesenden, ein herzliches Lebewohl zu sagen
- doch drängt es mich hinzuzufügen: hoffentlich nicht für
immer, denn Sie sollen mich auch in Zukunft gern bereit finden,
dann und wann eine Rosenvorlesung« zu halten!




Erklarung der Abbildungen.

Zu Vortrag I.
	Fig. 1. (Holzschnitt.) Das menschliche Herz mit seinen grossen zu- und ab-
führenden Blutgefässen, von vorn gesehen.
	Fig. 2. (Holzschnitt.) Die beiden Herzhälften durch einen senkrechten
Schnitt von einander getrennt.
	Fig. 3. (Holzschnitt.) Idealer Durchschnitt der rechten und der linken Herz-
hälfte.
Fig. 4. (Holzschnitt.) Schema zur Erläuterung des Kreislaufs.
Fig. 5. (Holzschnitt.) Das Kardioskop oder Herzspiegelchen.
Fig. 6. (Holzschnitt.) Zur Erläuterung der kardioskopischen Demonstration.
	Fig. 7. (Steindrucktafel 1.) Kinesiskopische Scheibe, bestimmt, den Leser
in den Stand zu setzen, sich den Rhythmus des Herzschlags vor Augen zu 
stellen.
