los 	Die Physiologie als allgemeines Bildungs-Element.

	Unter dem Imperium dieser Lebenskraft sollten sieh die allge-
meinen der Materie zukommenden Molecularkrfte in ihren unend-
lich mannigfaltigen Wechselbeziehungen w e s e n t Ii c h modifieiren
knnen, so dass die Massentheilehen als integrirende Bestandtheile
eines Organismus anderen Anziehungs- und Bewegungsgesetzen zu
gehorchen htten, als wenn sie sieh frei in der unorganischen Natur
befinden.
	Nachdem man jedoch gerade in den am tiefsten und grndlichsten
erforschten Lebenserscheinungen das Walten derselben Grundgesetze
erkannt hat, welche auch die unorganische Natur beherrschen, musste
man den unbestimmten und unfruchtbaren Begriff der Lebenskraft als
einheitliches, causaics Princip ganz aufgeben, um dafr den mecha-
nischen Zusammenhngen nachzuspren, welche die Lebenserschei-
nungen thatschlich vermitteln.
Damit war der cxacten und fruchtbringenden Forschung auf dem
Gebiete des Lebendigen erst die freie Bahn gebrochen, denn so lauge
man sieh bei dem sterilen Glauben an eine besondere Lebenskraft
beruhigte, musste nothwcndig auch die Erforschung der causalen Le-
bensbedingungen steril bleiben.
	Unter den mglichen Standpunkten, von welchen aus man das
Leben betrachten und auffassen kann, ist es der mc eh a nische,
welcher im Gegensatz zum vital ist is eh en, die Bestrebungen der
Gegenwart ausschliesslich beherrscht.
	Es ist nicht meine Absicht hier eine Kritik der mechanischen
Principien der Naturbetrachtung in ihrer Anwendung auf das Leben
durchzufhren; ich will nur zur Rechtfertigung der Richtung, welche
die moderne physiologische Forschung eingeschlagen hat, eine kurze
Bemerkung einschalten.
	Unzweifelhaft nmlich erzeugt und bewegt sich der breite Strom
des gcsammten Lebens nur durch und in Gestaltungen. Benutzungen
und Vernderungen von Stoffen und Krften, deren Wirksamkeit und
Wechselbeziehungen Physik und Chemie bisher sehr wohl nach den
Grundstzen der mechanischen Naturauffassung zu berechnen und zu
erlutern im Stande gewesen sind.
	Wir haben daher keinen zwingenden Grund anzunehmen, dass sich
ihnen nicht auch die Erscheinungen des Lebens fugen sollten, bevor
nicht der grndlich durchgefhrte Versuch einer mechanischen Erkl-
rung aller dieser Erscheinungen ihre absolute Unzulnglichkeit im
Reiche des Lebendigen dargethan haben wird.
	Dieser Versuch muss also unter allen Umstnden gewagt und
unternommen werden: er behlt auch unter allen Umstnden des ganzen
