	Die Physiologie als allgemeines Bildungs-Element.	115

Förderung wahrer allgemeiner Bildung schon vorhin besonders betont
und hervorgehoben habe, so wird es Ihnen, m. h. A! ersichtlich gewor-
den sein, wie ich dazu gekommen bin, es als meine eigenthümliche
Aufgabe zu betrachten - neben meinen streng wissenschaft-
lichen Bestrebnngen - in der angedeuteten Richtung thätig zu
sein und durch die besondere Berücksichtigung der allgemeinen Bil-
dungsinteressen der gesammten Studentenschaft der Vertretung des
Faches eine neue Seite abzugewinnen. -
	Mein beabsichtigtes Unternehmen ist, so viel ich weiss, noch nie-
mals in dem Umfange und in der Art, wie es mir vorschwebt, ausge-
führt worden.
	Wohl hat man oft genug einzelne sog. populäre physiologische
Vorträge gehalten oder gelegentlich selbst einen umfassenderen Be-
richt über die Leistungen und Fortschritte der Physiologie für Nicht-
mediciner erstattet, - das ist jedoch nicht Alles was eigentlich Noth
thut und was ich gern an der hiesigen Hochschule einführen möchte.
	Mein Gedanke vielmehr ist: den Versuch einmal zu wagen die
Physiologie als einen Gegenstand zu behandeln, der sich
etwa wie die allgemeinen philosophischen Collegia über
Logik und Physik, Psychologie und Weltgeschichte,
als unerlässliches Element eines höheren Bildungs-
ganges in den Studienplan eines jeden Universitäts-
hörers einzufügen hätte. -
	Ich verhehle mir keineswegs die Bedenken und Schwierigkeiten,
welche den Absichten und Plänen, die ich für diesen Theil meiner
künftigen akademischen Thätigkeit hege, entgegenstehen.
	Wie jede Neuerung, die aus dem gewohnten Kreise des Bestehen-
den heraustritt oder in festgefugte Verhältnisse alten Herkommens sieh
eindrängt, so erregt die Sache als solche schon mancherlei Bedenken,
welche nur durch thatsäehliches Gelingen und unzweideutige Erfolge
zu besiegen sein möchten.
	Sind ja doch gerade manche aehtungswerthe Fachmänner der
Meinung, dass es die Mühe nicht lohne, und ebenso werthlos sei, als
es die Wissenschaft profaniren heisse, in weiteren Kreisen Einsichten
und Kenntnisse verbreiten zu wollen, welche nur Verwirrung der Köpfe
und gefährliches Halbwissen erzeugen könnten und deshalb bestimmt
seien ein Monopol der Schule zu bleiben.
	Weit grösser und ernstlicher als diese und ähnliche meist nur
eingebildete Bedenken sind aber die wirklichen Schwierigkeiten des
Unternehmens, welche in der Natur des Gegenstandes selbst und in
der zur Erreichung des angedeuteten Zweckes geforderten Art seiner
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