	Die Physiologic als allgemeines Bildnngs-Element.	117

der Physiologie für den gegenwärtig beabsichtigten Zweck etwa denke:
nur muss ich ausdrücklich bemerken, dass ich für den letzteren ein
noch speciclleres und tieferes Eingehen in den Gegenstand, eine noch
reichere Bethätigung der unmittelbaren Anschauung für nöthig halte,
als die belehrende Unterhaltung des Rosenpublikums erforderte; -
und so sehen Sie, m. h. A.! es häufen und steigern sich die mir un-
erlässlich erscheinenden Forderungen an die demonstrativen und ex-
pcriinentcllen Hilfsmittel des Vortrags und demgemäss die inneren und
äusseren Schwierigkeiten des ganzen Unternehmens zu einer fast ab-
schreckenden Höhe.
	Endlich darf auch nicht unerwähnt bleiben, dass in dem even-
tuellen Erfolg des Unternehmens s e lb s t eine Gefahr für dessen glück-
liche Durchführung liegt. Ich meine: mit der Grösse des Zuhörer-
kreises und mit seinem Wachsthum, welches nicht ausbleiben kann,
wenn Form und Inhalt der Vorträge ein wirkliches Bedürfuiss zu
befriedigen geeignet befunden werden sollten, muss sich natürlich auch
die Bequemlichkeit - thcilweise sogar die Möglichkeit, all' das Erfor-
derliche ohne ganz besondere Veranstaltungen in entsprechender und
ausreichender Weise zu demoustriren, vermindern, und dies könnte
leicht in einem so bedenklichen Grade geschehen, dass die unerläss-
liche unmittelbare Anschauung, auf welcher der didaktische Erfolg
zum grössten Theil beruht, illusorisch würde.
	Es muss also von vornherein die skrupulöseste Vorsorge getroffen
werden, dass alle die verschiedenartigen Demonstrationen einen ganz
besonderen Grad von Ersichtlichkeit und Vollendung erhalten, und
dass das Vorlesungslokal ausreichende Dimensionen habe, und mit
eigenthümlichen Einrichtungen ad hoc versehen werde, welche das
Lokal aus einem blossen Auditorium zugleich recht eigentlich zu einem
- sit venia verbo - Spectatorium zu machen geeignet sind.
	Zu diesen Einrichtungen rechne ich vor Allem die Form und
Anordnung der Sitzplätze, dann die ceutrale Stellung und intensive
Beleuchtung des Raumes, wo sich der Vortragende befindet und wo
die Experimente vorgenommen werden, endlich die bequeme Dispo-
sition aller jener Hilfsmittel, welche stets zur Hand sein müssen, weil
sic einzeln oder in mancherlei Combinationeu bei fast allen Demonstra-
tionen in Anwendung kommen, wie z. B. elektrische Leitungen für den
coustanten Strom, mechanische Transmissionen, Gas- und Wasser-
leitung, Wandflachen oder Schirme zum Aufhängen gemalter, oder
zum Auffangen optisch projicirter Bilder, Beleuchtungs- und 
Verdun-kelungsvorrichtungen u. s. iv., u. s. iv.
Alle diese hohen Anforderungen und Schwierigkeiten, welche
