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Die Physiologie als allgemeines Bildungs-Element.
geschieht, indem die sämmtlichen Bedingungen, von welchen eine Erscheinung hervorgebracht sein kann, der Reihe nach absichtlich verändert, und gleichzeitig die Erfolge dieser Veränderung auf die Erscheinung genau beobachtet werden.
Als eine wirkliche Ursache der Erscheinung muss dann jene Bedingung gelten, deren isolirte Variation oder Eliminirung die Erscheinung selbst entsprechend verändert oder aufgehoben hat. Erst wenn man das Experiment zum messenden V e r s u c h steigert und schärft, hei welchem die quantitativ bestimmte Variation der verursachenden Bedingung mit dem Grade der verursachten Veränderung der Erscheinung verglichen wird, offenhart sich das Gesetz der Wirkung.
Die durch den Gang der experimentellen Untersuchungsmethode geforderte Sonderung, Veränderung, Störung, Steigerung oder Aufhebung der sämmtlichen Bedingungen einer Lehenserscheinung ist nur durch die Anstellung von Viviseetionen zu erzielen, unter welchen man im weitesten Sinne des Wortes jeden wie immer gearteten Eingriffin den lebenden Körper versteht.
Fast alle Viviseetionen sind, beiläufig bemerkt, nicht ohne einen gewissen Grad von Grausamkeit ins Werk zu setzen. Und diese macht man den Physiologen — freilich gedankenlos genug — von vielen Seiten so sehr zum Vorwurf.
Ich sage gedankenlos, weil man — wie ich bereits an einem anderen Orte ausgesprochen habe — im blinden Eifer der thierfreundlichen Entrüstung eben nicht daran denkt, einerseits dass der Fortschritt der Wissenschaft und Kenntniss vom Leben ohne Eingriffe in den lebenden Organismus absolut unmöglich ist : andererseits aber dass die Grausamkeiten unserer glorreichen Schlachtfelder und unserer — Küchen, quantitativ wie qualitativ jene der physiologischen Laboratorien bei weitem übertreffen.
Kann man aber in den Jubel einer Via triumphalis mit Begeisterung einstimmen, kann man sich dem Genüsse einer leckeren Schüssel lebendig aufgebrochener Austern, lebendig gesottener Krebse, zu Tode gehetzten Wildes, einer Pastete aus Fettlebern qualvoll krankgestopfter Gänse u. s. w., u. s. w. mit ruhigem Behagen hingeben — nun dann wird man sich wohl auch ohne Gewissensskrupel erlauben dürfen, physiologische Viviseetionen — die überdies heut zu Tage bei der ausgedehnten Anwendung der anaestlietischen. schmerzstillenden Mittel selbst den eifrigsten Mitgliedern der Vereine gegen Thierquälerei in milderem Lichte erscheinen dürften — zu machen, und die dabei zu Tage tretenden Erscheinungen mit Gemüthsruhe und ungestörter Aufmerksamkeit zu beobachten !