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Die Physiologie als allgemeines Bildungs-Element.
Behandlung und Darstellung liegen. Auch ist der Umfang des physiologischen Wissensgebiets so bedeutend, dass die richtige Auswahl und Disposition der zu behandelnden Materien nichts weniger als leicht und selbstverständlich erscheint.
Soll sich nämlich die Physiologie als ein werthvolles Element des höheren Bildungsganges, wie ihn die Universität zu bieten und zu vermitteln hat, daselbst bewähren und einbürgern, dann genügt es, wie ich meine, keineswegs in dogmatischer Weise, ex cathedra, eine erklärende Uebersicht der Lebenserscheinungen zu gehen und die fertigen Resultate der physiologischen Forschung mit mehr oder weniger rhetorischem Geschick und oratorischem Glanz zu besprechen.
Es liegt vielmehr in der Eigenthümlichkeit des Gegenstandes, dass die so mannigfaltigen und dem gewöhnlichen Sinne so unzugänglichen und fremdartigen Vorgänge, um deren Erkenntniss und Erklärung sich’s handelt, sowie die Methoden und Hilfsmittel, welche die physiologische Forschung zur Erreichung ihrer Ziele anwendet, der unmittel barenAns c h a u u n g der Zuhörer im Detail dargeboten werden müssen, wenn sie, zu innigem Yerständniss gebracht, jene aufklärenden und veredelnden Wirkungen in den Geistern hervorbringen und hinterlassen sollen, welche von der eingehenden Beschäftigung mit der modernen Physiologie sicher zu erwarten sind.
Dazu kommt noch, dass, indem die Physiologie alle Lehensäusserungen als Verrichtungen bestimmter Organe festzustellen und aus den elementaren Bedingungen, d. h. aus dem anatomischen Bau und der physikalisch-chemischen Constitution derselben mit Nothwen-digkeit herzuleiten — oder was dasselbe sagen will — nach mechanischen Principien zu erklären hat, der Vortrag, welcher hei dem gemischten Zuhörerkreise keinerlei specielle Fachkenntnisse voraussetzen darf, mit der Darstellung der descriptiven und mikroskopischen Anatomie und der physikalisch-chemischen Eigenschaften der func-tionirenden Theile beginnen muss.
Auch hei diesen Darstellungen ist es wieder nur die unmittelbare Anschauung, welche ein eingehendes und richtiges Verständnis zu vermitteln im Stande ist.
Die physiologischen Vorträge, welche ich in den drei letzten Jahren im akademischen »Rosensaalc« zu Jena gehalten und kürzlich durch den Druck veröffentlicht habe1), können eine beiläufige Vorstellung von der Art gehen, wie ich mir die Behandlung und Darstellung
1 Czermak : Populäre physiologische Vorträge , gehalten im akademischen Rosensaale zu Jena in den Jahren 1807—09. MitTafeln und 34 Holzschnitten. Wien, K. Czermak, 1809.