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Die Physiologie als allgemeines Bildungs-Element.
nach meiner Ueberzeugung einerseits erfüllt, andererseits überwunden sein müssen, bevor man wirklich daran gehen kann, die Physiologie als ein allgemeines Bildungselement in den Kreis der Universitätsstudien einzuführen, entmuthigen mich jedoch nicht.
Ich habe mich, wie meine oben citirten Rosenvorlesungen erkennen lassen, in der Erfindung und Benutzung der besonderen demonstrativen Hilfsmittel, wie sie der besprochene Zweck fordert, bereits mehrfach versucht, und bin entschlossen kein Opfer zu scheuen mir hier in Leipzig ein Auditorium selbst zu schaffen, und meinen speeiellen Plänen entsprechend einzurichten, denn ich habe es im vorigen Semester erfahren, dass den Hunderten, welche meinen Vorlesungscyclus Uber Physiologie der Zeugung besuchten, indem grossen Hörsaal des Augus-teums — und einen anderen, besseren von ähnlichen Dimensionen gibt es nicht — wegen seiner ausschliesslich für Kathedervorlesungen bestimmten Einrichtung, kaum die einfachsten bildlichen Darstellungen bequem demonstrirt werden konnten ; der Versuch aber in jenem Auditorium feinere physiologische Experimente vorzuführen geradezu lächerlich wäre und das ganze Unternehmen gefährden könnte.
Deshalb sehe ich mich auch genötliigt den Beginn meiner schon für das laufende Wintersemester angekündigten Vorträge über Physiologie für Studenten aller Facultäten bis auf Weiteres zu verschieben.
Man wird es begreiflich finden, dass ich noch längere Zeit meiner ganzen Arbeitskraft und der ganzen Musse bedarf, welche mir meine akademische Stellung gestattet, um alle jene überaus mannigfaltigen und weitaussehenden Vorkehrungen und Veranstaltungen in Angriff zu nehmen und zu vollenden, welche mir um so unerlässlicher erscheinen, je ernstlicher gemeint meine Absichten sind, und je weniger ich gewillt sein kann das Gelingen der Einbürgerung der Physiologie als eines allgemeinen Bildungselements an der Universität durch die Unvollkommenheit der ganz eigentümlichen äusseren Mittel auf s Spiel zu setzeu, denn es handelt sich dabei nicht etwa um blosse Aeusser-lichkeiten einer imponirenden Ausstattung dieser neuartigen Vorlesungen, sondern recht eigentlich um die Grundbedingung alles didaktischen Erfolgs derselben — um die unmittelbare Anschauung.
Schliesslich kann ich nur noch den Wunsch und die Hoffnung aussprechen, dass es mir vergönnt sein möge den Erwartungen, welche ich provocirt habe, recht bald und in vollem Maasse zu entsprechen, und eine recht lebendige, allseitige Theilnahme für meine Absichten und Bestrebungen zu erwecken und auf die Dauer zu erhalten.