118 	Die Physiologie als allgemeines Bildungs-Element.

nach meiner Ueberzeugung einerseits erfllt, andererseits berwunden
sein mssen, bevor man wirklich daran gehen kann, die Physiologie
als ein allgemeines Bildungselement in den Kreis der Universitts-
studien einzufhren, entmuthigen mich jedoch nicht.
	Ich habe mich, wie meine oben citirten Rosenvorlesungen erkennen
lassen, in der Erfindung und Benutzung der besonderen demonstrativen
Hilfsmittel, wie sie der besprochene Zweck fordert, bereits mehrfach
versucht, und bin entschlossen kein Opfer zu scheuen mir hier in Leip-
zig ein Auditorium s cl b s t zu schaffen, und meinen speciellcn Plnen
entsprechend einzurichten, denn ich habe es im vorigen Semester erfah-
ren, dass den Hunderten, welche meinen Vorlesungscyclus ber Phy-
siologie der Zeugung besuchten, in dem grossen Hrsaal des Angus-
teums - und einen anderen, besseren von hnlichen Dimensionen
gibt es nicht - wegen seiner ausschliesslich fr Kathedervorlesungen
bestimmten Einrichtung, kaum die einfachsten bildlichen Darstel-
lungen bequem demonstrirt werden konnten; der Versuch aber inj enem
Auditorium feinere physiologische Experimente vorzufhren geradezu
lcherlich wre und das ganze Unternehmen gefhrden knnte.
	Deshalb sehe ich mich auch genthigt den Beginn meiner schon
fr das laufende Wintersemester angekndigten Vortrge ber Phy-
siologic fr Studenten aller Facultten bis auf Weiteres zu ver-
schieben.
	Man wird es begreiflich finden, dass ich noch lngere Zeit meiner
ganzen Arbeitskraft und der ganzen Musse bedarf, welche mir meine
akademische Stellung gestattet, um alle jene beraus mannigfaltigen
und weitaussehendeu Vorkehrungen und Veranstaltungen in Angriff
zu nehmen und zu vollenden, welche mir um so unerlsslicher erschei-
nen, je ernstlicher gemeint meine Absichten sind, und je weniger ich
gewillt sein kann das Gelingen der Einbrgerung der Physiologie als
eines allgemeinen Bildungselements an der Universitt durch die Un-
vollkommenheit der ganz eigenthmlichen usseren Mittel aufs Spiel
zu setzen, denn es handelt sich dabei nicht etwa um blosse Aeusser-
lichkeiten einer imponirenden Ausstattung dieser neuartigen Vorlesun-
gen, sondern recht eigentlich um die Grundbedingung alles didaktischen
Erfolgs derselben - um die unmittelbare Anschauung.
	Schliesslich kann ich nur noch den Wunsch und die Hoffnung
aussprechen, dass es mir vergnnt sein mge den Erwartungen, welche
ich provocirt habe, recht bald und in vollem Maasse zu entsprechen,
und eine recht lebendige, allseitige Theilnahme fr meine Absichten
und Bestrebungen zu erwecken und auf die Dauer zu erhalten.
