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Ueber das Wesen der Nerventhätigkeit.
der menschlichen Natur mit der unerbittlichen Consequenz wissenschaftlicher Forschung weggerissen und dabei so manche liebgewordene Illusion zerstört wird.
Der Aesthetiker und Historiker befinden sich dem weiblichen gebildeten Publikum gegenüber in einer weit günstigeren Lage als der Naturforscher. Sie mögen welchen Gegenstand immer behandeln, man wird ihnen mit freudigen oder bangen Gefühlen, aber stets mit williger Theilnahme folgen; auch bedürfen sie nur einer einfach aufnehmenden, mehr passiven Zuhörerschaft.
Ganz anders der Naturforscher, wenn er das eigentliche Wesen materieller Vorgänge erklären will !
Die Materie mit dem einförmigen Wirken (anziehender und ab-stossender Kräfte, ohne wesentliche Mannigfaltigkeit als den dürren Wechsel der Zahlenverhältnisse lässt kalt, und so wie der Naturforscher nur etwas in die Tiefe seines Gegenstandes dringt, muss er das selbst-thätige Denken und Vorstellen seiner Hörer in Anspruch nehmen. um verstanden zu werden.
Die Nerven sind zwar ein leidlich interessanter, auch im gewöhnlichen gesellschaftlichen Leben vielfach besprochener Gegenstand. — »starke Nerven, schwache Nerven, angegriffene Nerven« sind Worte, welche wir jeden Tag aus manchem schönen Munde hören können: — allein nicht in dieser oberflächlichen pikanten Richtung beabsichtige ich die Nerven zum Gegenstände meiner Betrachtung zu machen, sondern in der unendlich bedeutungsvollen, aber viel prosaischeren, wo die Nerven als ein mechanischer Apparat, als ein Werkzeug erscheinen, durch dessen Thätigkeit das Zustandekommen der animalen Lebensvorgänge vermittelt wird.
Und für diese Enttäuschung kann ich nicht einmal eine leichte unterhaltende Form der Mittheilung versprechen, sondern muss mir vielmehr eine nicht ganz kleine Anstrengung der Aufmerksamkeit des geneigten Lesers erbitten.
Wenn ich es trotz alledem unternehme, den angedeuteten Gegenstand an diesem Orte weitläufiger zu behandeln, so finde ich den Math dazu nur in der festen Ueberzeugung, dass Niemand, der nach wahrer, allgemeiner Bildung strebt, die Gelegenheit verschmähen wird — selbst wenn dies nur mit einem gewissen Aufwande von angestrengterer Sammlung des Geistes möglich wäre — eine Einsicht zu gewinnen in die Summe von neuen Vorstellungen, welche die fortschreitende Wissenschaft über das eigentliche Wesen der Nerventhätigkeit zu Tage gefördert hat.
Ich nehme also getrost meinen Gegenstand in Angriff und lade