﻿lieber das Wesen der Nerventlilitigkeit.
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erst dann etwas erfahren,- wenn derselbe gar nicht mehr vorhanden ist. Wir empfinden aber eine momentane elektrische Entladung darum erst zu einer Zeit, wo dieselbe gar nicht mehr existirt, weil die Erregung, welche die Seele von der Störung des elektrischen Gleichgewichts benachrichtigen soll, eine weit längere Zeit braucht, um auf der betreffenden Nervenbahn von der Fingerspitze z. B. bis ins Gehirn zu gelangen, als jene momentane Störung dauert. Wir empfinden also in diesem Falle etwas als gegenwärtig, was bereits der Vergangenheit angehört, und so ist es immer und mit allen unseren Wahrnehmungen der Fall.
Den Schall sind wir gewohnt die Bolle des nachhinkenden Boten spielen zu sehen, weil die tägliche Erfahrung lehrt, dass wir ein in der Entfernung geschehendes Ereigniss eher sehen als hören : bei einem Manöver z. B. sehen wir als entfernte Zuschauer zuerst den Blitz und den Pulverdampf der abgefeuerten Geschütze, erst merklich später trifft der Kanonendonner unser Ohr.
Dass es aber mit dem Lichte und unseren Wahrnehmungen, welche das Nervensystem vermittelt, streng genommen ebenso ist, erregt unsere Verwunderung mehr, weil die Zeitunterschiede, welche das Licht und die Nervenerregung brauchen, um einerseits die in der täglichen Erfahrung vorkommenden irdischen Dimensionen, andererseits die geringe Länge der menschlichen Nervenbahnen zurückzulegen, gar nicht wahrnehmbar sind.
Eine weitere Gonsequenz des bisher Erörterten ist noch die, dass die Wahrnehmungen gleichzeitiger Ereignisse, welche durch ungleich lange Nervenbahnen vermittelt werden, in der Zeit auseinanderfallen müssen, während die ungleichzeitiger Ereignisse unter diesen Umständen gleichzeitig ins Bewusstsein treten können, weil die Erregung offenbar ungleich lange Zeiten braucht, um ungleich lange Nervenstrecken zurückzulegen. So z. B. wird ein elektrischer Schlag, welcher in demselben Augenblicke einen Hautpunkt im Gesicht und am Fusse trifft, eher dort als hier empfunden werden müssen, weil der Weg vom Gesicht bis ins Gehirn viel kürzer ist als vom Fuss Ins ins Gehirn.
Freilich sind die Unterschiede in der Länge der Nervenbahnen viel zu gering, als dass sich diese Verwirrung der zeitlichen Verhältnisse in störender Weise geltend machen könnte, darum existirt aber diese Verwirrung doch — denn wir haben sie mit Noth Wendigkeit erschlossen und abgeleitet.
Mit unseren Wahrnehmungen und Empfindungen sind wir daher nicht nur immer einen kleinen Schritt hinter der Wirklichkeit zurück.