	lieber das Wesen der Nerventhiitigkeit.	147

den Leser ein, zunchst einen flchtigen Blick auf den Ban des Nerven-
systems mit mir zu werfen.
	Dasselbe besteht ans den sog. Central-Organen, dem Gehirn
und Rckenmark, welche zusammenhngende Nervenmassen-An-
hufungen darstellen und in besonderen knchernen Behltnissen, dem
Schdel und Rckgratskanal, geborgen liegen, - und ans den sog.
periphcrischen Nervenverzweigungen, welche, von Hirn und Rcken-
mark ihren Ursprung nehmend, als weisse Strnge den Krper durch-
ziehen, um zu den Sinnesorganen, den Muskeln und den brigen von
ihnen versorgten Thcilcn zu gelangen und daselbst ihr Ende zu finden.'
	Schon die oberflchlichste Untersuchung lehrt, dass Hirn und
Rckenmark aus einer weissen und ans einer grauen Substanz zusam-
mengesetzt werden, welche letztere verschiedene Nuancen zeigt. Das
Rckenmark hat usserlich weisse Substanz, schliesst aber in seinem
ganzen Verlaufe eine Sule grauer ein, deren Configuration man am
besten auf Querschnitten des Rckenmarks erkennt.
	Das Hirn besteht zum grssten Theil aus weisser Substanz, ist je-
doch usserlich von einer dnnen Lage grauer berzogen und schliesst
an verschiedenen Orten Anhufungen grauer Masse -ein, welche theils
Fortsetzungen der grauen Sule des Rckenmarks, thcils mehr selbst-
stndige Bildungen sind.
	Wichtiger als die Beschreibung dieser Aeusserlichkeiten, welcher
die ltere Anatomic eine minutise, wenn auch unfruchtbare Sorgfalt
zugewendet hat, ist die mikroskopische Zergliederung der Nervenge-
bilde, urn welche sich unser Landsmann, Prof. PLTRKYN, durch meh-
rere Entdeckungen bleibende Verdienste erworben hat.
	Die mikroskopische Zergliederung lehrt, dass die Nervensubstanz
unter zwei verschiedenen elementaren Formen auftritt - als Nerven-
zelle und als Nervenfibrille.
	Die Nerven- oder Ganglicnzcllcn sind beraus kleine,
rundliche, spindclfrmige, kolbigc oder unregelmssig eckige, mit meist
mehrfachen fadenfrmigen Verlngerungen versehene Blschen, welche
einen ciiveiss- und fetthaltigen, feinkrnigen Inhalt und ein cigenthm-
liches kernartiges Gebilde einschliessen, whrend die N er v en fib ril-
len unendlich feine, bis mehrere Fuss lange Rhrchen darstellen,
welche von einer zhflssigen, eiweiss- und fetthaltigen, glashellen
Masse erfllt sind.2)

1 Der Vortragende demonstrirte eine eigens zu diesem Zwecke von Dr. EL-
FINGER in Wien gemalte Darstellung des menschlichen Nervensystems.
	2 Ein zweites von Dr. ELFINGER gemaltes Tableau stellte eine Auswahl ver-
schiedengestalteter Nervenzellen und Nervenfibrillen dar.
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