﻿Ueber das Wesen der Nerventhätigkeit.
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Ueber die Art dieser Vermittelung lässt sich im Allgemeinen etwa Folgendes sagen.
Es wäre Anmassung als eine vorgebliche Lösung des ganzen Problems den materialistischen Ausspruch von Cabanis wiederholen zu wollen : »les nerfs, voilà tout l’homme !« oder überhaupt nur behaupten zu wollen, dass wir über gewisse wichtige Fragen, welche sich hier von selbst aufdrängen, genügende Aufschlüsse bereits erhalten hätten, oder dereinst nothwendig erhalten müssten — da doch die echte Wissenschaft nur das zu wissen vorgibt, was sie mit ihren Instrumenten geprüft hat.
So viel aber dürfen wir — ohne nach irgend einer Seite hin An-stoss zu geben — mit Entschiedenheit hinstellen, dass die Seele im Gehirn ihren Sitz hat. in gewissen, nicht näher zu bezeichnenden Formelementen desselben ihre materielle Grundlage, ihr Substrat findet, mit welchem sie in director Wechselwirkung steht, und dass sie erfah-rungsgemäss nur durch das Hirn in Erscheinung und zur materiellen Welt in Beziehung tritt. Die peripherischen Ner venverz wei-guugen spielen dabei wesentlich eine ähnliche Rolle, wie die Drahtleitungen unserer elektrischen Telegraphen. Sie sind es einerseits, auf deren peripherische Enden, welche wir zum Theil mit künstlichen Apparaten, wie Auge und Ohr, versehen finden, die Aussenwelt und die Zustände unseres Körpers erregend einwirken, und innerhalb deren Substanz die Erregung fortschreitet bis zum Sitze der Seele, wo jene unbegreifliche Transsubstantiation des physikalischen Vorgangs der Nervenerregung in den psychischen Zustand der Empfindung stattfindet. Sie sind es andererseits, auf deren centrale Enden, welche wir im Gehirn zu suchen haben, der Willensimpuls der Seele erregend einwirkt und innerhalb deren Substanz die Erregung bis zu den Bewegungsorganen fortschreitet, wo sie sich dann auf die Muskeln überträgt und in eine Zusammenziehung derselben umsetzt, durch welche die Bewegung unserer Glieder ermöglicht und mechanische Arbeit geleistet wird.
Nerven der ersten Art nennt man sensitive, Nerven der zweiten Art motorische.
An den peripherischen Enden der sensitiven Nerven werden also — wenn ich den angedeuteten Vergleich mit dem elektrischen Telegraphen näher ausführen darf — die Depeschen aufgegeben, welche die Seele von den Zuständen des Körpers und von den Veränderungen in der Aussenwelt benachrichtigen sollen, während die Seele ihre Willensäusserungen als Befehle, welche sofort zu Thaten werden, auf den motorischen Nervenleitungen so zu sagen nach aussen telegraphirt.