﻿Ueber das Wesen der Nerventhätigkeit.
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Nach den ausgezeichneten Untersuchungen von E. du Bois-Rey-mond in Berlin entwickeln die Moleciile der Nervensubstanz während ihres lebendigen Bestehens elektrische Kräfte — analog den Plattenpaaren einer VoLTA’sclien Säule. Pud diese elektrischen Kräfte, welche am lebenden Nerven mit physikalischer Schärfe nachgewiesen werden können, sind es, die die Bewegung von einem Massentheilchen auf das andere übertragen und somit die Fortpflanzung der Bewegung in den erregten Nervenbahnen vermitteln.
Die Bewegungen der Moleciile selbst aber sind höchst wahrscheinlich einfach oscillirende Drehungen oder Schwankungen um ihren Mittelpunkt. Ein Bild wird dies anschaulich machen.
Man denke sich eine Anzahl von Magnetnadeln in eine lange mehrfache Reihe neben-und hintereinander geordnet, so entspricht die ganze Reihe dem Inhalt einer Nervenfibrille, jede einzelne Nadel je einem der unendlich vielen und unendlich kleinen Moleciile der Nervensubstanz, die magnetischen Kräfte der ersteren den elektrischen der letzteren.
Wird nun eine der Nadeln angestossen und aus ihrer Gleichgewichtslage gebracht, so gerathen sofort auch die zweite, die dritte, die vierte u. s. w. und endlich sämmtliche Nadeln der ganzen Reihe in Schwankungen. 1
Ganz ähnlich verhält sich die Sache im erregten Nerven.
Das eigentliche Wesen der Nerventhätigkeit oder Nervenerregung besteht also, so weit wir bis jetzt sehen können, in einer raschen, zitternden Bewegung der kleinsten grobmateriellen Massentheilchen oder Moleciile der Nervensubstanz, welche sich vermittelst elektrischer Kräfte in den Nervenbahnen weiter fortpflanzt.
Hier ist die Wissenschaft am Ende ; denn wie es möglich ist, dass die Seele von gewissen Elementen des Gehirns aus durch diese einförmigen zitternden Bewegungen der Nervenmoleeüle zu jener Fülle verschiedenartiger Empfindungen, deren wir fähig sind, angeregt wird und die ganze entzückende Pracht und belebende Frische der Sinnenwelt aus sich hervorzaubert ; — Avie es möglich ist, dass sie, die man sich als ein immaterielles Wesen vorstellt, im Stande ist, durch den Willensimpuls diese Bewegungen wieder in den motorischen Nervenbahnen wachzurufen, — das ist ein undurchdringliches Geheimniss, und dürfte für alle Zeiten ein unlösbares Räthsel bleiben !
Aber das ist das Eigentümliche der Naturforschung, dass sie in
1 Der Vortragende demonstrirte diesen Versuch mit einer Anzahl grosser In-elinationsnadeln, welche Herr Lenoir in Wien die Güte hatte, zu diesem Zwecke herzuleihen.