	lieber das Wesen der Nerventhiitigkeit.	155

	Nach den ausgezeichneten Untersuchungen von E. im BOTS-REY-
MOND in Berlin entwickeln die Molecule der Nervensubstanz whrend
ihres lebendigen Bestehens elektrische Kraft e - analog den Plat-
tenpaaren einer V0L'PA'sehen Sule. Und diese elektrischen Krfte,
welche am lebenden Nerven mit physikalischer Schrfe nachgewiesen
werden knnen, sind es, die die Bewegung von einem Massentheilchcn
auf das andere bertragen und somit die Fortpflanzung der Bewegung
in den erregten Nervenbahnen vermitteln.
	Die Bewegungen der Molecule selbst aber sind hchst wahrschein-
lich einfach oscillirende Drehungen oder Schwankungen um ihren Mittel-
punkt. Ein Bild wird dies anschaulich machen.
	Man denke sich eine Anzahl von Magnetnadeln in eine lange mehr-
fache Reihe neben- und hintereinander geordnet, so entspricht die ganze
Reihe dem Inhalt einer Nervenfibrille, jede einzelne Nadel je einem der
unendlich vielen und unendlich kleinen Molecule der Nervensubstanz,
die magnetischen Krfte der ersteren den elektrischen der letzteren.
	Wird nun eine der Nadeln angestossen und ans ihrer Gleichge-
wichtslage gebracht, so gerathen sofort auch die zweite, die dritte, die
vierte n. s. w. und endlich smmtliche Nadeln der ganzen Reihe in
Schwankungen. 1)
Ganz hnlich verhlt sich die Sache im erregten Nerven.
	Das eigentliche Wesen der Nerveuthtigkeit oder Nervenerregung
besteht also, so weit wir bis jetzt sehen knnen, in einer raschen,
zitternden Bewegung der kleinsten grobmateriellen Massentheilchen
oder Molecule der Nervensubstanz, welche sich vermittelst elektrischer
Krfte in den Nervenbahnen weiter fortpflanzt.
	Hier ist die Wissenschaft am Ende; denn wie es mglich ist, dass
die S e e 1 c von gewissen Elementen des Gehirns ans durch diese ein-
frmigen zitternden Bewegungen der Ncrvenmoledle zu jener Flle
verschiedenartiger Empfindungen, deren wir fhig sind, angeregt wird
und die ganze entzckende Pracht und belebende Frische der Sinnen-
welt aus sich hervorzaubert; - wie es mglich ist, dass sie, die man
sich als ein immaterielles Wesen vorstellt, im Stande ist, durch den
Willensimpuls diese Bewegungen wieder in den motorischen Nerven-
bahnen wachzurufen, - das ist ein undurchdringliches Geheimniss,
und drfte fr alle Zeiten ein unlsbares Rthsel bleiben!
Aber das ist das Eigenthmliche der Naturforschung, dass sie in


	1 Der Vortragende demonstrirte diesen Versuch mit einer Anzahl grosser In-
elinationsnadeln, welche Herr LENOIR in 'Alien die Gte hatte, zu diesem 
Zwecke
herzuleihen.
