156 	Ueber das Wesen der Nerventhiitigkeit.

den gewöhnlichsten Erscheinungen der täglichen Erfahrung Probleme
sieht, und dass der Naturforscher, je tiefer sein Blick in das eigentliche
Wesen der Dinge eindringt, in einer Welt der Räthsel wandelt, wo für
den unbefangenen Menschen Alles sich von selbst versteht, so dass
dieser von seinem naiven Standpunkt aus berechtigt erscheint jenem
zuzurufen:
»Grau, theurer Freund, ist alle Theorie,
Und grün des Lebens goldner Baum.»
	Mit diesem Zuruf schliesse ich meine kurze Darstellung, jedoch
nicht ohne den Wunsch hinzuzufügen, dass man mitten im freudigen
Genusse des Schonen und Erhabenen, was das Leben in der Kunst
und in den schonen Wissenschaften bietet, nicht ganz vergessen möge,
dass alle diese veredelnden Gedanken und Gefühle, welche den Men-
sehen nur zu leicht allzu stolz über seine beschränkte irdische Existenz
emporheben, am Ende doch nicht ohne jene zitternden Bewegungen
der grobmateriellen Nerveurnolecüle vor das geistige Auge treten und
im Gemüthe erwachen konnten!
