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tritt das Wasser aber so weit zurück, dass die Weiher trocken gelegt
würden, wenn die Schleussen offen blieben.
	Diese Niveau-Unterschiede benützt man auf ganz einfache Art,
um ohne besondere Mühe Fische zu fangen. Während der Fluth öffnet
man die Schleusse, an deren gegen den Weiher gekehrten Seite vor-
her ein langes beutelförmiges Netz befestigt worden ist, und lässt, wie
die Leute sagen, die Schleusse »trinken«. Mit dem Schwalle des
fluthenden Wassers kommen zugleich Schaaren von Fischen heran-
geschwommen, welche der Strömung folgend in dem beutelförmigen
Netze sich sammeln. Das Netz hindert zugleich die Fische des Wei-
hers herauszuschwimmen. Hat die Fluth ihre Höhe erreicht, so lässt
man die Schleusse herab. Die Fische sind dann in dem Netze gefangen
und werden, nachdem sie eine genaue Revue passirt haben, entweder
ins Bassin zurückgeworfen oder den Weihern einverleibt. Diese Vor-
sieht ist nothwendig, denn es gibt gewisse Arten von Raubfischen, die
einen solchen Weiher in wenig Tagen durch ihre enorme Gefrässigkeit
ganz entvölkern können. Ueberdies schwemmt die Fluth ohne Wahl
oft ein ganzes Museum von Meerungeheuern in dem blinden Ende des
beutelförmigen Netzes zusammen - allerlei Gesindel, welches nach
seinem naturgeschichtlichen Heimatschein zu'fragen sich wohl verlohnt,
wenn die Ordnung in den Weihern gesichert bleiben soll.
	Die künstliche Fischzucht, piseiculture, welcher in neuerer Zeit
in Frankreich so grosse Aufmerksamkeit zugewendet wurde, dürfte
wohl kaum irgendwo leichter Wurzel fassen und grossartigere Erfolge
versprechen, als in der Gegend des Bassins d'Arcaehon.
	Die natürlichen Bedingungen eines Ortes können schwerlich gün-
stiger und passender gedacht werden zur Einrichtung einer künstlichen
Fischzüchterei, als sie eben hier vorhanden sind. Süsses Wasser und
Meerwasser - beides steht hier zu Gebote; See- und Süsswasser-
Fische könnten sonach gezogen werden. Es würde mich wundern,
wenn diese günstigen Bedingungen nicht auch Anderen in die Augen
springen und nicht wenigstens zu Versuchen, die ja zu Enghien so
ermunternde Resultate geliefert haben, anregen sollten.
	Die Heerden von Schafen und Rindvieh, welche man in grosser
Menge auf dem Haideland weiden sieht, bieten keine besonderen
Eigenthllmlichkeiten, dagegen fallen dem Fremden die Hirten auf
ihren oft mannshohen S tel z en, eifrig an groben Strümpfen strickend,
in nicht geringem Grade auf. Die Stelze ist hier ebenso allgemein
und volkstliümlich, wie der Schlittschuh in Holland, das Steigeisen in
der Schweiz und der Schneeschuh in Lappland. Die Hirten, die Jäger,
die Boten gehen hier alle hoch zu Stelze und gewinnen, da sic von
