﻿Sechs Tage in und um Bordeaux.
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Jugend auf den ganzen Tag über auf diesen Stangen zubringen, eine solche Sicherheit im Stelzen-Gelicn, Laufen und Springen, dass man glauben könnte, die Stelzen seien natürliche Verlängerungen der Beine. Die hier gebräuchlichen Stelzen sind etwas anders gebaut, als jene, die man hie und da bei uns zu sehen bekömmt. Letztere bestehen bekanntlich aus Stangen, welche bis hoch hinauf unter die Arme reichen und mit den Händen gefasst und regiert werden ; die ersteren hingegen sind an den Unterschenkel auf eine sinnreiche und überaus einfache Weise befestigt, so dass sie die Arme zu anderem Gebrauche ganz frei lassen. Die Befestigung der Stelze an dem Unterschenkel geschieht durch einen Lederring, welcher durch eine Lederplatte in zwei ungleiche Dehnungen getheilt wird. Die grössere Dehnung nimmt den Unterschenkel auf, die kleinere nach aussen liegende hingegen das obere bis an’s Knie reichende Ende der Stelze. Die Lederplatte befindet sich somit zwischen dem Unterschenkel und dem oberen Ende der Stelze und schützt nicht nur die Weichtheile des ersteren gegen Reibung und Quetschung, sondern gewährt dem letzteren zugleich Halt und Befestigung. Das Aufsteigen auf die oft sehr hohen Stelzen vom flachen Boden aus geschieht folgendermassen. Nachdem die beschriebenen Lederringe an die Unterschenkel gesteckt sind, wird die eine Stelze wie eine Turnierlanze eingelegt, während die andere mit der anderen Hand gefasst wird, dann wird ein Anlauf genommen — mit einem Schwünge steht der Mann mit dem einen Beine auf der vorgehaltenen Stelze und befestigt dieselbe durch Herüberschieben der kleineren Abtheilung des Lederringes über das obere Stelzenende. Während nun hupfend auf einer Stelze das Gleichgewicht erhalten wird, hat die Befestigung der zweiten Stelze keine grossen Schwierigkeiten mehr. Zu Hause machen sich die Leute das Aufsteigen natürlich bequemer. Alle Stelzengeher fuhren einen langen Stab mit sich, theils um nicht zu fallen, wenn sie zufällig das Gleichgewicht verloren hätten, theils um längere Zeit ruhig stehen zu können. Denn trotzdem. dass das untere Ende der Stelzen etwas verdickt ist und eine mehrere Quadratzolle haltende Fläche bietet, ist es doch nur Augenblicke lang möglich ganz ruhig auf den Stelzen zu stehen.
Der lange Stab wird als dritter Unterstützungspunkt verwendet, indem er mit seinem oberen Ende entweder durch einen der Lederringe oder in die Rima ylutaeonnn gesteckt wird. Auf diesem drei-beinigen Gestelle ruhen nun die Hirten Stunden lang, die Heerde hütend und ihre Strümpfe strickend. Ja. hier bringen die Männer die Strümpfe zur Welt : es ist zwar grobe Arbeit, aber das Gewebe ist gleiehmaschig und dem Zweck entsprechend. Die Wolle haben die
Czermal, Schriften. II.	1 \