160 	Sechs Tage in und um Bordeaux.

tritt das Wasser aber so weit zurck, dass die Weiher trocken gelegt
wrden, wenn die Schleussen offen blieben.
	Diese Niveau-Unterschiede bentzt man auf ganz einfache Art,
um ohne besondere Mhe Fische zu fangen. Whrend der Fluth ffnet
man die Schleusse, an deren gegen den Weiher gekehrten Seite vor-
her ein langes beutelfrmiges Netz befestigt worden ist, und lsst, wie
die Leute sagen, die Schleusse trinken. Mit dem Schwalle des
fluthenden Wassers kommen zugleich Schaaren von Fischen heran-
geschwommen, welche der Strmung folgend in dem beutelfrmigen
Netze sich sammeln. Das Netz hindert zugleich die Fische des Wei-
hers herauszuschwimmen. Hat die Fluth ihre Hhe erreicht, so lsst
man die Schleusse herab. Die Fische sind dann in dem Netze gefangen
und werden, nachdem sie eine genaue Revue passirt haben, entweder
ins Bassin zurckgeworfen oder den Weihern einverleibt. Diese Vor-
sieht ist nothwendig, denn es gibt gewisse Arten von Raubfischen, die
einen solchen Weiher in wenig Tagen durch ihre enorme Gefrssigkeit
ganz entvlkern knnen. Ueberdies schwemmt die Fluth ohne Wahl
oft ein ganzes Museum von Meerungeheuern in dem blinden Ende des
beutelfrmigen Netzes zusammen - allerlei Gesindel, welches nach
seinem naturgeschichtlichen Heimatschein zu'fragen sich wohl verlohnt,
wenn die Ordnung in den Weihern gesichert bleiben soll.
	Die knstliche Fischzucht, piseiculture, welcher in neuerer Zeit
in Frankreich so grosse Aufmerksamkeit zugewendet wurde, drfte
wohl kaum irgendwo leichter Wurzel fassen und grossartigere Erfolge
versprechen, als in der Gegend des Bassins d'Arcaehon.
	Die natrlichen Bedingungen eines Ortes knnen schwerlich gn-
stiger und passender gedacht werden zur Einrichtung einer knstlichen
Fischzchterei, als sie eben hier vorhanden sind. Ssses Wasser und
Meerwasser - beides steht hier zu Gebote; See- und Ssswasser-
Fische knnten sonach gezogen werden. Es wrde mich wundern,
wenn diese gnstigen Bedingungen nicht auch Anderen in die Augen
springen und nicht wenigstens zu Versuchen, die ja zu Enghien so
ermunternde Resultate geliefert haben, anregen sollten.
	Die Heerden von Schafen und Rindvieh, welche man in grosser
Menge auf dem Haideland weiden sieht, bieten keine besonderen
Eigenthllmlichkeiten, dagegen fallen dem Fremden die Hirten auf
ihren oft mannshohen S tel z en, eifrig an groben Strmpfen strickend,
in nicht geringem Grade auf. Die Stelze ist hier ebenso allgemein
und volkstlimlich, wie der Schlittschuh in Holland, das Steigeisen in
der Schweiz und der Schneeschuh in Lappland. Die Hirten, die Jger,
die Boten gehen hier alle hoch zu Stelze und gewinnen, da sic von
