162 	Sechs Tage in und um Bordeaux.

Leute ringfrmig am Halse hngen. Possierlich ist und bleibt diese
Sitte immerhin, wenn sie auch ihre praktische Seite hat. Welchem
allgemein gefhlten Bedrfnisse der Gebrauch der Stelzen abhilft und
abhelfen soll, habe ich nicht in Erfahrung bringen knnen. Der er-
hhte Standpunkt auf den Stelzen befhigt zwar den Hirten die Hecrde
leicht zu bersehen und die Hupter seiner Lieben zu zhlen; auch
macht der Bote mit seinen durch die Stelzen verlngerten Beinen grs-
sere Schritte und geht oft mehr als um das Doppelte schneller als
andere Menschenkinder; allein diese Vortheilc knnen den so all-
gemeinen Gebrauch der Stelzen nicht erklren, denn wenn dem so
wre, so msste man dann die Frage stellen, warum der Gebrauch
der Stelzen nicht in allen ebenen Lndern allgemein und volksthm-
lich sei? da die angefhrten Vorthcilc verlngerter Beine fr jeden
Breitengrad gelten.
Den 21. August.
	Obgleich gestern erst spt au' Abend todtmdc von dem Ritt
heimgekehrt, verliessen wir heute schon um 2 Uhr des Morgens Ares,
nm den D  ne n einen Besuch abzustatten. Unsere Gelegenheit bestand
in einem zweirderigen, von einem Pferde gezogenen Karren (in areite).
Das Stroh, auf dem wir lagen, schtzte uns nur unvollkommen vor den
Stssen dieses primitiven Fahrzeuges. Die einfrmige Grossartigkeit
der Dnen liess uns jedoch bald die Unannehmlichkeiten des Weges
vergessen.
	Der Charakter dieser Dnen ist ein vllig anderer, als jener der
hollndischen. Sie bilden hier ganz kahle, abgerundete, kolossale
Sandberge, whrend die Hollnder fast durchgngig mit einer Grasart
bewachsen sind. Der Sand, aus dem sie zusammengeweht sind, ist so
fein, dass man ihn gleich in eine Strensandbchse fllen konnte. Jeder
leise Windhauch treibt ihn in Wolken vor sich her und verndert die
Contouren der Berge. So weit der Blick reicht, sieht man nichts als
Himmel und Sand; in der Wste Sahara kann es nicht monotoner und
der aussehen, und doch macht das Ganze einen ergreifenden, gross-
artigen Eindruck. Nichts Lebendiges, keine Pflanze, kein Thier ist
weit und breit zu sehen - doch halt! hier sind kleine Spuren im
Sande, die etwa 2 Zoll von einander in einer langen Reihe sich aus
dem Thal auf den Berg verfolgen lassen. Die Spuren sind ganz frisch,
der nchste Augenblick wurde sie verweht haben.
	Das Thier, welches seinen Weg damit bezeichnet hat, kann nicht
fern sein. In der That, dort, wohin die Spur sich zieht - hpft ein
kleiner Frosch ganz emsig den Berg hinan. Wie kommt das arme
Amphibium in diese Sandwste Hier muss es ohne Zweifel zu Grunde
