158 	Sechs Tage in und um Bordeaux.

in die Nähe kommen, mit langen mit einem Knopfe versehenen Stangen
ins Wasser zu stossen suchen. Das Volk nimmt lebhaften Antheil am
Kampf, ermunternder Zuruf wechselt mit schadenfrohem Gelächter.
Die Positionen, welche die aus dem Gleichgewicht gebrachten Kämpfer
machen, nm sich oben zu erhalten oder um möglichst sanft ins Wasser
zu plumpsen, sind in der That oft drollig genug. Sehr häufig fallen
beide Gegner ins Wasser, wo dann keiner den Preis gewinnt.
	Doch dies war nur das Vorspiel zu dem Hauptschauspiel des
Abends - dem Vomstapellanfen des neu erbauten Zweimasters »La
providence«. Wenn eine Stütze nach der andern fällt und endlich
das auf dem Lande fast noch 11/2mal so gross als im Wasser aus-
sehende Schiff mit beschleunigter Geschwindigkeit die schicfgelegten
und mit einer Art Seife eingeschmierten Balken herunterrutscht, um
endlich ins Wasser sich hineinzubohren, vor sich eine mächtige Sturz-
welle aufwühlend, hinter sich in Folge der Friction Flammen und
Ranch lassend: so ist das in der That ein grossartiger Anblick. Der
Eindruck dieser Scene wird noch vermehrt, indem die Musik im Fortis-
simo einfällt und das Volk die Luft mit freudigem Geschrei erschüttert.
Eine glänzende Beleuchtung mit bunten Lampen schloss das Ganze.

Den 19.
	Nachdem ich noch in der Garonne gebadet, den Jardin des Plantes
und den Kirchhof mit seinen Platanen-Alleen und Cypressen-Gruppen
besucht hatte, verliess ich Bordeaux, um nach la Teste und von da über
das grosse Bassin dArcachon nach Ares zu fahren, welches am nörd-
lichen Ende des Bassins gelegen ist. Der Charakter der Landschaft ist
hier ganz eigenthümlich gemischt. Einerseits wird man an Italien, an-
dererseits an - Holland erinnert, auch die Windmühlen fehlen nicht.
Das Bassin dArcachon ist eine sehr seichte Bucht von bedeutendem
Flächeninhalt, welche nur durch einen ganz schmalen und kurzen Kanal
mit dem Meere in Verbindung steht, so dass sich Ebbe und Fluth wohl
geltend machen können, die Wogen des Oceans aber keinen Eingang
finden. Das Bassin ist aus diesem Grunde und seiner Seichtigkeit
wegen fast immer spiegelglatt, und hat stets eine hohe Temperatur,
weshalb es zu einer besonderen Art von Seebädern benützt wird. Im
Gegensatz zu den Seebädern mit freiem starkem Wellenschlag, welche
nur einige Minuten hindurch gebraucht werden, bleibt man in dem
lauen ruhigen Wasser des Bassins zu Viertelstunden
Den 20.
	Heute ritten wir auf die drei Stunden entfernte Besitzung des
Herrn BoIssIERE, um dessen Meersalzplantagen zu besehen.
