	Sechs Tage in und um Bordeaux.	159

Der Weg führte uns durch Pinus -Wälder, Haideland und während der
Ebbe blossgelegten Meergrund. Die Pinns-Wälder liefern Massen von
Harz, welches von den Lenten dadurch gewonnen wird, dass sie in die
Baume lange und tiefe Furchen mittels einer Axt anbringen, in wel-
chen dann das Harz herunterläuft und am Fusse des Baumes in Behält-
nissen sich ansammelt. Die Baume erhalten durch diese methodisch
angebrachten Verwundungen ein eigenthümliches Aussehen, indem die
Stämme mit der Zeit einen sternförmigen Querschnitt erhalten. Auf-
fallend war mir, dass die Bäume diese Procednr so leicht ertragen und
nicht zu Grunde gehen. Ja nach der Versicherung der Leute soll das
Holz solcher Bäume fester und derber werden, und sowohl zum Brennen
als zur Verarbeitung dem anderer Stämme vorzuziehen sein.
	Während des Rittes litten wir viel von der fast unerträglichen
Hitze und vom Staub. Endlich waren wir am Ziele und eine frische
Brise vom Meere her erquickte und kühlte uns. Nach wenigen Mi-
nuten der Rast liessen wir uns von Herrn BoIssIERE nach seinen Meer-
salzplantagen führen. Das Meersalz wird hier auf die primitivste und
wohlfeilste Art gewonnen. Einige Morgen Landes sind zu flachen d. h.
einige Zolle tiefen Bassins, die untereinander und mit dem Meere corn-
muuieiren, umgegraben und mit Meerwasser gefüllt. Der Wind und
die Sonne machen das Wasser rasch verdampfen und zwingen das
Meersalz herauszukrystallisireu. Das so krystallisirte Salz wird ab-
geschöpft, gesammelt und in Haufen zusammengeschüttet, die man
»Salzschober« nennen könnte. Diese Schober werden mit einer Lage
Sand und Erde bedeckt und bleiben so stehen, bis sie weggeführt
werden. Auffallend war nur der überaus deutliche Veilchengeruch,
den das Salz eines eben angebrochenen Sehobers ausströmen liess.
Woher dieser liebliche Geruch stamme, konnte ich nicht erfahren.
Reines ClNa ist das auf diesem Wege gewonnene Salz aus sehr
begreiflichen Gründen nicht, doch soll es sehr gesund sein. In den
Gegenden, wo es gegessen wird, sind Kröpfe eine Seltenheit. Sollte
dies mit dem Jodgehalt des Meersalzes zusammenhängen?
	Eines der Hauptnahrungsmittel der Anwohner des Bassins dAr-
cachon sind die Fische, welche sieh reichlich darin finden. Um
nicht von der zufälligen Ausbeute eines Fischzuges abzuhangen, haben
sich die Leute grosse Weiher rings um das Bassin angelegt, worin sie
stets einige Hundert Fische halten, welche den nächsten Bedarf decken.
Diese Weiher hangen mit dem Bassin durch enge und kurze Kanäle
zusammen, welche durch Schleussen abgesperrt werden können.
Während der Fluth steigt das Wasser im Bassin so hoch, dass es die
Weiher anfüllt, wenn die Schleusseu geöffnet sind; während der Ebbe
