164 	Sechs Tage in und um Bordeaux.

dass man arglos über dieselbe hinwegschreite, dann aber durchbreche
und, wenn nicht schleunige Hilfe geleistet werde, jämmerlich in den
Boden versinke. Solche Stellen nennt man blouses. Sie sollen sehr
häufig sein, doch konnte man mir keine zeigen. Vielleicht sind es die
blouses, welche den Gebrauch der Stelzen nothwendig gemacht
haben?! - In Ares erwartete uns ein wohlgedeckter Tisch, zu dem
sich sämmtliche Herren Maires der umliegenden Ortschaften ein-
gefunden hauen.
	Nachmittags verliess ich Ares und liess mich über das Bassin
setzen. Gegen Abend landete ich am entgegengesetzten Ufer vor dem
»Hotel des empereurs« während eines heftigen Gewitters, das uns
beinahe noch auf dem Wasser erwischt hätte. Hier lernte ich den
berühmten Dichter aus dem Volke, den Barbier JASMIN, kennen,
welcher heute Abend eine poetische Soirée gibt.

Den 22. August.
Am frühen Morgen verliessen wir das Hotel und ritten von la
Teste aus nach \Tillemarie, einer Farm, welche dem Herrn FERRY
gehört. Herr FERRY ist unter den Landwirthen Frankreichs eine Nota-
bilität. Er ist der erste und so viel mir bekannt der einzige Oekonom,
welcher mit Erfolg in Frankreich Reis baut. Unser Besuch galt
FERRY's Reisplantagen. Sein bei der Londoner Exhibition aus-
gestellter Reis hat einen Preis erhalten, was bei solcher Coneurrenz,
wie sie 1852 in London war, schon etwas heissen will. Die ganzen
Reisplantagen, sowie das Bewässerungssystem der Felder - der Reis
reift bekanntlich zur Hälfte unter stehendes Wasser gesetzt erinnerte
mich lebhaft an die Meersalzplantagen des Herrn BoIssIERE. Wir
blieben über Mittag bei unserem freundlichen Wirthe und fanden
grossen Gefallen an seinem einfach aber comfortable eingerichteten
Hause, welches seine Frau, eine liebenswürdige Pariserin, mit grosser
Einsicht leitet. Nur ungern verliessen wir den freundlichen Ort. Am
Abend befanden wir uns wieder in Bordeaux.

Den 23. August.
	Während meines ersten Aufenthaltes hatte ich (lie Stadt nur sehr
flüchtig besehen, so dass ich mich heute tüchtig ablaufen musste.
Nachdem ich mich gebadet und von den Anstrengungen der letzten
Tage etwas erholt haue, begann ich meine Besichtigung mit dem
grossen und schönen Hospitale, welches einen prächtigen vier-
eckigen Hof einschliesst. Die Seitenflügel sind durch kleine Gärtchen
für die Reconvaleseenten in mehrere Theile getheilt.
