Bemerkungen über Naturwissenschaft und Spiritismus,
Geistermanifestationen u. dgl.')


Vorgetragen den 24. und 23. Januar 1873, im Amphi-
theater des physiologischen Privat-Laboratoriums
an der Universität Leipzig.



(Mit 1 Holzschnitt.)




	Jeder Tag liefert bedauerliche Beweise dafür, wie urtheilslos sieh
der naturwissenschaftlich ungeschulte Mensch bei der Beobachtung von
Naturvorgängen einem trügerischen Augenschein gefangen zu geben
pflegt und Dinge und Geschehnisse thatsächlich und unmittelbar wahr-
genommen zu haben steif und fest überzeugt ist, welche sich in Wirk-
lichkeit gar nicht ereignet haben!
	Diese Urtheilslosigkeit und diese Hartnäckigkeit sind geradezu
erstaunlich und lassen erkennen, wie wenig Gewicht der Naturforscher
auf das aufrichtigste Zeugniss der glaubwürdigsten und ehrenhaftesten
Personen legen darf, wenn es sich um die Constatirung von noch nil-
	1 CzERMAK hatte sich im November 1872 eingehend mit dem »Wnnderezpe-
rituent über dieEinbildungskraft der liühner», dem eigenthtimliehen 
sehiafarti-
gen Zustande nämlich, in welchen sie nach gewissen Manipulationen verfallen)
beschäftigt und in seinem darüber an die k. Akademie der Wissenschaften zu
Wien erstatteten Berichte (vgl. Bd. I, S. 836), gestützt auf zahlreiche 
Versuche,
den Beweis geführt, dass die vorgebliche wunderthätige Einbildungskraft ganz
und gar auf einer »ungenau beobachteten Thatsaehe» beruhe. Dieselben Versuche
nun führte CzEaMAK in den zwei Vorträgen (24. und 25. Januar 1873) vor einem
zahlreichen Auditorium aus, und die »Gartenlaube» verüffentlichte sie (Nummer
7-11. 1873) unter der Ueberschrift »Ueber Hypnotismus )schlafartigen Zustand(
bei Thieren, nebst gelegentlichen Bemerkungen über Naturwissenschaft und 
Spiri-
tismus, Geistermanifestationenu. dergl.» In der hier folgenden Mittheilung 
konn-
ten die eigentlichen hypnotischen Versuche, weil deren bereits früher (Bd. I,
S. 837) ausführlich Erwähnung geschah, übergangen werden, so dass - nur die
gelegentlichen Bemerkungen« hier wiedergegeben werden, in denen OzERMAK mit
der ganzen Kraft seiner Ueberzeugung den Wunderglauben auch auf andern Ge-
	bieten der Natur zu bekämpfen suchte. Es war sein letztes Wort!	D. H.
