	1. Programm der Vorlesungen.	189

Wirkung der ihnen inwohuenden Kraft e in allgemeinen Umrissen
zu entwickeln, zu denen die exacte Naturwissenschaft auf dem Wege
der Erfahrung und des folgerichtigen Denkens gelangt ist, und welche
sic zur sogenannten Atom cut h e o r i e oder Atomistik ausgebildet
hat. Die Atomistik ist die Grundlage der ganzen mechanischen Welt-
anschauung; you ihr muss derjenige Notiz nehmen, der die letztere in
sich aufnehmen und damit ein tieferes Verstndniss fr die Vorgnge
in der Natur und fr die ganze Richtung der heutigen Naturforschung
gewinnen will.
	An die Darstellung der Atomistik wird sich dann die Errterung
des Gesetzes you der Unzerstrbarkeit und Unvern-
derlichkeit des Stoffes und des Gesetzes von der Erhaltung
der Kraft anschliessen, welches letztere die hchste und frucht-
bringendste Generalisation der gesammteu Naturwissenschaft ist und
besagt, dass, wie der Stoff-Vorrath so auch die Quantitt der im
Universum vorhandenen und disponiblen Kraft eine constantc und
unvernderliche Grsse sei, dass somit keine auch noch so geringe
Quantitt von Kraft fr das Naturganze neu erschaffen oder vernichtet
werden knne.
	Die Erklrung und Begrndung dieses fast paradox erscheinenden
Gesetzes wird uns mehrere Stunden beschftigen; denn es erfordert
zu seinem Vcrstndniss die Bekanntschaft mit allen wirkungsfhigen
Naturkrften und der eigenthmlichen Wechselwirkung derselben
unter einander. Die Art dieser Wechselwirkung hat man das Princip
der Transformation oder Aequivaleuz der Krfte genannt.
- Wir werden also die verschiedenen Erscheinungsformen, unter
welchen sich die Kraft ussert, Schwere, Cohsion, Affinitt, Wrme
a. a. erfahrungsgemss der Reihe nach kennen zu lernen haben und
die Beziehungen aufsuchen mssen, in welchen diese verschiedenen
Erscheinungsformen zu einander stehen. Dabei wird es sich heraus-
stellen, dass bei jedem Zustandekommen irgend einer Vernderung,
irgend eines Vorganges in der Natur eine gewisse Quantitt von Kraft
aufgewendet wird and in dem Maasse, als sie die Vernderung zu
Stande bringt, verschwindet und vernichtet zu werden scheint; in
Wirklichkeit aber von einer Vernichtung einer einmal zur Wirkung
gekommenen und zur Herbeifhrung einer Vernderung verwendeten
Kraftmenge - sie sei auch noch so klein, - niemals die Rede sein
kann. Die verbrauchte und verschwundene Kraft bleibt vielmehr in
unvernderter Quantitt er h alt en; was sich ndert, was verschwin-
det, ist nur die Erscheinungsform, unter welcher sie sich an einem
bestimmten Orte im Raume geussert hat; sie selbst aber findet sich,
