I.

Programm der Vorlesungen.


Meine Herren!

Ich habe mir erlaubt Sie einzuladen, sich heute in diesem Raume
zu versammeln, um mich über den Zweck, Inhalt und Umfang des Cy-
eins von Vorlesungen auszusprechen, welche ich in diesem Winter-
semester zu halten gedenke. Ehe ich dies jedoch unternehme, wollen
Sie mir gestatten, dass ich zunächst an das erinnere, was ich bei mei-
ner Antrittsvorlesung im November 1869 als die Aufgabe und das Ziel
meiner Thätigkcit an der hiesigen Hochschule bezeichnet habe, und
seit jener Zeit durch vorbereitende Arbeiten, welche trotz allen Be-
mühens leider noch immer nicht zum gewünschten Abschluss gekom-
men sind, ins Werk zu setzen suchte. Namentlich war es absolut
unmöglich, die tausenderlei Hilfsmittel für den eigentlichen physio-
logischen Anschauungsunterricht in erforderlicher Vollständigkeit her-
beizuschaffen.
	Der Titel jener Antrittsvorlesung lautete: »die Physiologie als all-
gemeines Bildungselement« und lässt sofort erkennen, dass es meine
Absicht ist, die Lehren dieser Wissenschaft, welche an allen Hoch-
schulen nur einen Gegenstand des inediciuischcu Fachunterrichts aus-
machen und daher nur einem verhältnissmässig kleinen Kreise von mit
besonderen Vorkenntnissen ausgerüsteten und des specielleu Studiums
der Heilkunde beflissenen Universitätsgenossen zugänglich sind, in die
weitesten Kreise zu tragen, und den Versuch einmal zu wagen, die
Physiologie als einen Gegenstand zu behandeln, der sich, etwa wie die
allgemeinen philosophischen Collegien über Logik und Weltgeschichte,
als unerlässliches Element eines höheren Bildungsganges in den Stu-
dienplan eines je den Universitätshörers einzufügen hätte. Ich wies
damals nachdrücklich auf die Thatsaehe hin, dass die Physiologie eine
geradezu c e n t r a 1 e Stellung in dem weiten Kreise des gesammtea
Wissens und Könnens einnimmt, und es, insofern ihr Object die Erfor-
