188 	Die Prineipien der mechanischen Naturauffassung.

sein werde, sollen Sie sogleich aus der folgenden Mittheilung über den
Inhalt und Umfang der beabsichtigten Vorlesungen ersehen.
	Zunächst soll eine eingehende Skizze der Vorgänge des Kreis-
laufes des Stoffes durch die drei Reiche der Natur ent-
worfen werden, aus der wir als sichere Resultate folgende zwei That-
saeheu gewinnen werden: erstens, dass die Pflanzenwelt unter
dem Einflnsse des Sonnenlichts das einfache unorganische Stoffmaterial
unserer Erde und Atmosphäre in die eomplieirten Substanzen der orga-
nischen Natur verwandelt, welche allein befähigt sind, die Formen der
Elementargebilde des Pflanzen- und Thierleibes anzunehmen, und ohne
welche die Phänomene des Lebens thatsäehlieh nie zur Erscheinung
kommen; zweitens, dass die Th i er we lt, - unfähig, wie gesagt, selbst
Substanzen organischer Natur aus unorganischen Elementen zu pro-
dueireu, und daher gezwungen, das ihr unentbehrliche organische
Ernährungsmaterial der Pflanzenwelt zu entnehmen, - diese der
Pflanzenwelt entnommenen organischen Substanzen durch den ihr
eigenthümliehen Lebensproeess zerstört und wieder in die frübereu ein-
facheren Verbindungen unorganischer Natur zerlegt, welche darauf ins
Mineralreich zurückkehren, aus dem sie wieder nur durch die innere
Thätigkeit der Pflanzen dem organischen Leben zurückgeführt werden.
	Gegenüber diesen beiden Thatsaehen drängen sieh die folgenden
grossen Fragen auf:
	1) Woher stammt überhaupt die Triebkraft, welche den Kreislauf
des Stoffes aus dem Mineralreich ins Pflanzenreich, aus diesem ins
Thierreieh und aus dem Thierreieh wieder zurück ins Mineralreich und
so fort und fort ohne Unterbrechung im Gange erhält; und -
	2) in welchem Zusammenhange steht der Stoffwechsel in den
pflanzlichen und thieriseheu Organismen mit den Lebensäusserungen
derselben? oder was dasselbe heisst: Welches sind die Quellen,
aus denen die Lebenskräfte fliessen?
	Die Beantwortung dieser Fragen involvirt nichts Geringeres als
eine Erklärung der organischen Vorgänge und Kraftäusserungen, d. h.
des Lebens selbst. Da man aber bei dem Versuch einer Erklärung der
Lebensäusserungen fortwährend den Zusammenhang der verschieden-
artigsten physikalischen yorgänge im Auge behalten- muss, die den-
selben zu Grunde liegen, und da dieser Zusammenhang nur an der
Hand einer anschaulichen Vorstellung von dem inneren Wesen oder
der Constitution der Materie mit Klarheit erfasst werden kann, so er-
wächst mir die Aufgabe, Ihnen eben jene Vorstellungen über das
Wesen und die Constitution der Materie, über die räum-
liche Vertheilnng der Stoffelemente und über die Art und
