	TI. Kreislauf der Stoffe in den drei Naturreichen.	193

Augen so beschwerlich fllt. Es ist zusammengesetzt aus zwei diffe-
renten chemischen Elementen, dem schon erwhnten Wasserstoff (H)
und dem sogenannten Stickstoff oder Nitrogen (N), und hat die chemi-
sche Formel NH3, d. h. Ein Theil Stickstoff verbindet sieh mit drei
Theilen Wasserstoff zu Einem Theil Ammoniak.
	Jene neuere Methode der chemischen Zerlegung, von deren Erfin-
dung, wie gesagt, ein epochemachender Fortschritt fr die Wissen-
schaft vom Leben datirt, nennt man die chemische Elementar-Analyse
der organischen Verbindungen. Ihre Begrndung und Ausbildung ist
eines der unsterblichen Verdienste unseres Jusvus v. LIEBIG. Sie hat
das wunderbar einfache und berraschende Resultat ergeben, dass
alle diese verschiedenen, eigentlich sogenannten organischen
Verbindungen aus einer usserst geringen Anzahl ganz derselben ein-
fachen chemischen Grundstoffe bestehen, welche sich auch in der nu-
organischen Welt finden; und zwar sind es von den zweiundsechzig
wohleharakterisirten Elementarstoffen, welche die heutige Chemie als
die Urbestandtheile unseres Planeten und seiner Atmosphre kennt,
hauptschlich nur vier, um die es sich bei der Zusammensetzung der
organischen Krper handelt: nmlich Kohlenstoff (Cr, Wasserstoff (H),
Sauerstoff (0) und Stickstoff (N). Merkwrdig aber wahr, es sind
immer nur diese vier Elemente, welche, in verschiedener Anzahl und
in den mannigfaltigsten Verhltnissen gruppirt und verbunden, zur
Herstellung der unendlichen Flle der verschiedenen eigentlich so-
genannten organisch-chemischen Verbindungen dienen, die, wie wir
sehen werden, mit einigem unorganischen Stoffmaterial verbunden
oder auch nur gemischt, die smmtliehen pflanzlichen, thierischen und
menschlichen Organismen zusammensetzen. Bald sind es zwei, bald
drei, vier oder noch mehr dieser einfachen chemischen Elemente, die
sich zu einheitlichen Ganzen verbinden und organische Substanzen
eonstituiren.
	All e organischen Verbindungen enthalten Kohlenstoff (C) ; dieser
fehlt also in keinem Gebilde der organischen Welt. Unter den weit-
aus zahlreichsten, aus mehr als zwei Grundstoffen bestehenden orga-
nischen Verbindungen gibt es wieder eine grosse Gruppe solcher,
welche nur ans Kohlenstoff, Wasserstoff und Sauerstoff bestehen, und
eine zweite von solchen, die ausser Kohlenstoff, Wasserstoff und
Sauerstoff immer auch noch Stickstoff enthalten. Die ersteren nennt
man stickstofflose, die letzteren stickstoffhaltige organische Verbin-
dungen. Von den stickstofflosen Verbindungen muss ich jene hervor-
heben, welche man (wie Strkemehl, Gummi, Zucker u. a.) deshalb
als Kohlehydrate bezeichnet hat, weil sie Wasserstoff und Sauerstoff
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