194 	Die Principien der mechanischen Naturauffassung.

im Wasserbildungsverhltniss, - d. h. auf je Einen Theil Sauerstoff
je zwei Theile Wasserstoff, - und natrlich auch noch den nie fehlen-
den Kohlenstoff enthalten. Ferner sind hier die Fette und Oele zu
nennen, welche gleichfalls nur ans Kohlenstoff, Wasserstoff und
Sauerstoff bestehen, aber verhltnissmssig sehr viel mehr Wasserstoff
und Kohlenstoff als Sauerstoff enthalten. - Was die zweite Haupt-
gruppe organischer Verbindungen, die stickstoffhaltigen, angeht, so
enthalten viele von ihnen, und gerade die wichtigsten, ausser Kohlen-
stoff, Wasserstoff, Sauerstoff und Stickstoff, auch noch kleine Mengen
Schwefel (5), manche auch Phosphor (P) und Eisen (Fe), so dass die
complicirtesten derselben ans der Vereinigung von fnf, sechs oder
sieben Elementen hervorgehen. Hierher gehren jene merkwrdigen
organischen Stoffcomplexe, welche man Proteinstoffe oder Eiweiss-
krper genannt hat. Sie enthalten alle: Kohlenstoff (52 bis 54 Pro-
cent), Wasserstoff (gegen 7 Procent), Sauerstoff (21 bis 26 Procent,
Stickstoff (13 bis 16 Procent) und Schwefel (1 bis 1,6 Procent), und
werden zum Aufbau jener Organe und Organtheile verwendet, deren
Thtigkeitcn die hchsten und eigenthtimlichsten Lebensusserungen
in Erscheinung treten lassen.
	Der Unterschied zwischen den organischen und den unorganischen
Verbindungen liegt also nicht in einer Verschiedenheit der chemischen
Elementarstoffe, aus deren Verbindung sie hervorgehen; denn diese
sind identisch, mgen sie nun in den mineralischen Bestandtheilen des
Erdbodens, der Gewsser und der Luft stecken, oder die Substanzen
des Pflanzen-, Thier- und Menschenleibes bilden helfen. Der Unter-
schied liegt wesentlich nur in der Anzahl und Zusammenordnung der
genannten wenigen Elemente zu einem c o mp lie i r ten chemischen
Ganzen.
	Die organischen Verbindungen zeichnen sich im Allgemeinen also
zunchst durch die hhere Complication ihrer Zusammensetzung oder
Constitution vor den unorganischen aus. Ein anderes hervorstechen-
des Merkmal der organischen Verbindungen ist, dass sie alle ohne
Ausnahme verbrennlieher Natur sind, whrend die meisten nil-
organischen Verbindungen unfhig sind zu verbrennen, d. h. neue
Sauerstoffmengen aufzunehmen. Unter Verbrennung oder Oxydation
versteht man nmlich die Verbindung der Stoffelemente mit Sauerstoff.
Die Verbrennung oder Oxydation hat Stufen oder Grade, und man
nennt sie eine vollstndige, wenn ein Mehrzutritt, eine Mehraufnahme
von Sauerstoff unmglich geworden ist; die meisten unorganisehen
Krper sind solche gesttigte Sauerstoffverbindungen. Die organi-
schen Verbindungen enthalten hingegen entweder gar keinen Sauer-
