	II. Kreislauf der Stoffe in den drei Naturreichen.	197

bildet das Ammoniak, welches sich in der Damm- oder Ackererde und
in sehr wechselnden Mengen in der Atmosphre findet.
	5) Endlich sind Schwefel und Phosphor in den schwefelsauren
und phosphorsauren Salzen vorhanden, und diese sowie alle anderen
Mineralien, welche die brigen der genannten vierzehn Elementar-
stoffe, wie Kalium, Natrium, Calcium, Magnesium u. s. w. enthalten,
kommen in gelster oder fester Form als Bestandtheile in den Gews-
sern und im Erdboden vor.
	Erwgen Sie diese fnf Punkte im Zusammenhange mit den vor-
ausgeschickten Mittheilungen ber die letzten unorganischen Verbren-
nungs- und Fulnissproducte der Substanzen des Thier- und Pflanzen-
krpers, so wird Ihnen unzweifelhaft die grosse Thatsache vor Augen
stehen, dass. die unorganische Welt unseres Planeten in
Form von Wasser, Kohlensure, Ammoniak und eini-
gen Salzen alle die Elementarstoffe enthlt, welche
die lebenden organischen Wesen in letzter Instanz
zusammensetzen; whrend der freie Sauerstoff der atmosphri-
schen Luft durch den Verbrennungs- und Fulnissprocess im Stande
ist, die Thier- und Pflanzenleiber in dieselben einfachen mineralischen
Formen von Wasser, Kohlensure, Ammoniak und Salzen zu zerlegen
und als solche der unorganischen Welt wiederzugeben.
	Mittels Wurzel und Blatt entnimmt die Pflanze fortwhrend
Stoffmaterial aus dem Boden, aus dem Wasser und aus der Atmo-
sphre. Diese grossen Vorrathskammern unorganischen Stoffes liefern
der Pflanzenwelt alle Elemente zu ihrer Bildung, Erhaltung und Ent-
wickelung in Form von Kohlensure, Wasser, Ammoniak und Mineral-
salzen.
	In den grnen Theilen der Pflanzen wird unter dem Beistande der
Sonnenstrahlen die aufgenommene Kohlensure reducirt, das heisst,
der Sauerstoff wird vom Kohlenstoff gewaltsam abgetrennt und in freiem
gasfrmigem Zustand an die Atmosphre abgegeben, whrend der
Kohlenstoff in neue Verbindungen organischer Natur mit den Ele-
menten des Wassers und Ammoniaks tritt und im Pflanzenkrper zu-
rckbleibt. Durch diese innere chemische Arbeit fabricirt die Pflanze
jedes Stck ihrer Gewebs- und Sftebestandtheile, die ihr eigenthm-
lieu sind; mit diesem Baumaterial rein unorganischer Natur setzt sie
unter Sauerstoffentwickelung oder Desoxydation alle die sogenannten
organischen Verbindungen zusammen, welche sich vor den unorga-
nischen durch ihre Verbrennlichkeit und ihre complicirte Constitution
auszeichnen. So verbinden sich die Elemente der Kohlensure und
des Wassers unter gleichzeitiger Desoxydation oder Verminderung
