200 	Die Prineipien der mechanischen Naturauffassung.

alsbald in Ammoniak und Kohlensäure zerfallende Zerstörungsprodncte
aus - und Sie erkennen somit, dass das Thier ein chemischer Apparat
ist, welcher, im Gegensatze zur Pflanze, Sauerstoff ver-
zehrt, und die organische Substanz durch die - der
Desoxydation und Synthese entgegengesetzten - Vorgänge der
Oxydation und Spaltung schliesslich in dieselben un-
organischen Verbindungen zerlegt, aus welchen sie
die Pflanze ursprünglich aufgebaut und erzeugt hat.
	Während wir somit die Rolle und Bedeutung der Pflanzenwelt im
grossen Haushalt der Natur dahin formulirten, dass sie es sei, welche
aus unorganischem Stoffmaterial unter Sauerstoffentbindung organi-
sche Substanz erzeugt, sehen wir jetzt, dass die Thierwelt es
ist, welche der regressiven Stoffmetamorphose dient,
d. h. unter Sauerstoffbindung die organische Substanz
zerstört und vernichtet, und ans ihr dasselbe unorga-
nische Stoffmaterial wieder herstellt, welches die
Pflanze zur organischen Synthese, zur progressiven
Stoffmetamorphose braucht. - Es ist aber auch hier hervor-
zuheben, dass im Thiere die Vorgänge dieser regressiven Stoffmeta-
morphose nicht die ausschliesslich vorkommenden, sondern nur die
überwiegenden und bedeutungsvollsten sind, und dass neben diesen
auch im Thiere gewisse Synthesen vorkommen; immerhin liegt in der
regressiven Stoffmetamorphose die Rolle und Bedeutung des Thier-
reichs im grossen Haushalte der Natur.
	In ihren Beziehungen zur Atmosphäre unserer Erde sind Thier
und Pflanze daher uothwendig in ununterbrochenem Antagonismus.
Die Pflanze entnimmt ihr fortwährend Kohlensäure, zerlegt dieselbe,
behält den Kohlenstoff für sieh zurück und erstattet ihr dafür freien
Sauerstoff. Unter dem Einflusse der von der Sonne bestrahlten Vege-
tation sucht sieh die Atmosphäre ihres ganzen Kohlensäuregehaltes zu
entledigen und dagegen an freiem Sauerstoff reicher zu werden. Das
Thier, im Gegentheil, bemächtigt sieh des Sauerstoffs der Luft, ver-
brennt damit die organischen Bestaudtheile seiner Körpersubstanz und
Nahrung und haucht dafür eine fast gleiche Menge Kohlensäure aus.
Durch die Lebeusthätigkeit der Thiere wird die Atmosphäre fortwäh-
rend sauerstoffärmer und kohlensäurereieher.
	Genaue und zahlreiche chemische Analysen haben nichts desto-'
weuiger sicher gestellt, dass die Zusammensetzung der Atmosphäre in
allen Regionen der Erde wahrnehmbar dieselbe ist, und dass, wenn
das relative Misehungsverhältuiss der drei Hanptbestandtheile der
atmosphärischen Luft, Stickstoff, Sauerstoff und Kohlensäure, auch
