202 	Die Principien der mechanischen Naturauffassung.

oder Sauerstoffaustreibung in organische Stoffe verwandelt, verwandelt
das Thier, das seine Hauptnahrung unmittelbar oder mittelbar aus dem
Pflanzenreiche bezieht, die von der Pflanze erzeugten, hochzusammen-
gesetzten und sauerstoffarmen organischen Stoffe durch Oxydation und
Spaltung zurück in einfache unorganische Verbindungen. Die Pflanze
eignet sich die Elementarstoffe aus dem Mineralreiche an und macht
sie zu Bestandtheilen ihrer organischen Körpersubstanz. Diese orga-
nische Substanz und somit die in ihr enthaltenen Elementarstoffe
werden Bestandtheile des Thierkörpers; die Bestandtheile und Elemen-
tarstoffe des Thieres aber werden wieder zu Bestandtheilen des Mine-
ralreichs, und so fort in ununterbrochenem Kreislaufe. Der Kohlen-
stoff der in der Luft befindlichen Kohlensäure wird zum Kohlenstoff
der Holzfaser, des Stärkemehls und anderer Pflanzenstoffe; mit unserer
Nahrung aufgenommen, wird er zum Kohlenstoff unseres Fleisches und
Blutes, aus denen er wieder in Form von Kohlensäure in die Luft
zurüekkehrt. Aehnlich lässt sich von jedem chemischen Elemente,
das die organische Substanz des Thierleibes zusammensetzen hilft,
nachweisen, dass es, aus dem Mineralreiche von der Pflanze aufgenom-
men und in ihren organischen Verbindungen fixirt, als Nahrungsstoff
in das Thier gelangt, um aus diesem wieder ins Mineralreich zurück-
zukehren und diesen Kreislauf immer wieder von Neuem zu beginnen.
	Werfen Sie einen Blick auf das grosse Diagramm, welches ich
entworfen habe, um Ihnen den erörterten Kreislauf des Stoffes durch
die drei Reiche der Natur einigermassen anschaulich zu machen. Die
eine Hälfte der Kreisfläche, welche das ganze Universum bedeutet,
soll uns die unorganische Welt, die andere Hälfte die organische Welt
darstellen; diese letztere zerfallt wieder in einen Quadranten, der das
Pflanzenreich, und in einen zweiten, der das Thierreich repräsentirt.
Im Mineralreiche oder in der unorganischen Welt finden sich die vier-
zehn Elementarstoffe, welche letzten Endes zum Aufbau der orga-
nischen Welt dienen, in Form von einigen Mineralsalzen, von Ammo-
niak (N H3), Wasser (H2 0) und Kohlensäure (C 02) vor. Sie finden
diese Bezeichnungen in die ausgesparten weissen Täfelchen der rechten
Hälfte des Kreises eingeschrieben. Verfolgen Sie nun mit dem Auge
in der Richtung, welche die kleinen Pfeile angeben, wie dieses Stoff-
material unorganischer Natur in den Quadranten des Pflanzenreichs
eindringt! Sie bemerken, wie sich die punktirten, die Sauerstoff-
bahnen andeutenden Linien abtrennen, um wieder in den Raum des
Mineralreichs zurückzukehren, wo sie sich in dem Täfelchen, welches
mit 0 bezeichnet ist (d. h. ))freier Sauerstoffvorrath der Atmosphäre«),
sammeln, während die ausgezogenen Linien, welche die Bahnen des
