﻿II.
Kreislauf der Stoffe in den drei Naturreichen,
Man macht der exacten Naturwissenschaft häufig den Vorwurf, dass sie aller Poesie bar sei, dass sie aller Bethätigung der Einbildungskraft feindlich gegenüber stehe. Dies ist ein Vorurtheil, welches gepflegt und als Abschreckungsmittel aufrecht erhalten wird, nur im Interesse jener eigenthümlichen Geistesrichtung, die in dem freien und unbeschränkten Gebrauch der gesunden menschlichen Verstandeskräfte — allerdings mit vollem Rechte — die grösste Gefahr sieht für die Fortdauer ihrer Alleinherrschaft über die Gemütlier. Mein heutiger Vortrag soll nun dieses Vorurtheil bekämpfen und erschüttern helfen; denn ich beabsichtige Ihnen einen tieferen Einblick in die tlmtsächlich »weltbewegenden« Vorgänge des Stoffkreislaufs in der Natur zu eröffnen — einen Einblick, der zwar nur eine nüchterne Wahrheit erkennen lässt, eine Wahrheit aber, die an überwältigender Grossartigkeit, ja an phantastischem Reiz jeden Vergleich mit den am höchsten und heiligsten gehaltenen Producten der mythenbildenden Einbildungskraft auszuhalten im Stande ist. Der Weg nach dem Standpunkt, von dem aus der Einblick in jene Wahrheit gestattet ist, führt freilich durch etwas trockenes, steiniges Land ; aber lassen Sie sich die etwaigen Beschwerlichkeiten unserer Wanderung nicht ver-driessen; »es führt kein anderer Weg — nach Küssnacht« !
Die pflanzlichen und thierischen Organismen — die menschlichen natürlich mit eingerechnet —, welche man als die lebenden Wesen den leblosen Gebilden und Massen gegenüberstellt, sind aus Substanzen aufgebaut, die sich sowohl hinsichtlich ihres Aussehens als hinsichtlich ihrer feineren Structur und ihrer Eigenschaften sehr auffallend von jenen Substanzen unterscheiden, welche der unorganischen Welt, dem Mineralreich, angehören. Vergleichen Sie ein Stück Fleisch oder Brod, ein Blumenblatt, ein Weizenkorn mit einem Stein, einem Krystall oder einer Marmorstatue — und Sie werden zwischen diesen