﻿II. Kreislauf der Stoffe iu den drei Naturreichen.
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keine beliebige abenteuerliche Idee mehr1), sondern eine ganz nüchterne und sehr reelle Möglichkeit, dass einzelne derselben Stoff-tlieilchen, die einst das geschäftige Gehirn Julius Cäsar’s zusammengesetzt haben, heute in den Getreidekörnern auf dem Felde einer nordamerikanischen Farm oder in einer Leipziger — Nasenspitze stecken, und in hundert Jahren das Herz unseres eigenen Urenkels bilden helfen werden. Denn das steht über alles Meinen und Glauben fest und sicher, dass die Stoffelemente, welche die organischen Verbindungen des Thier- und Menschenleibes in einem gegebenen Augenblicke zusammensetzen, früher einer Pflanze angehört haben müssen, die sie aus dem Boden, dem Wasser und der Luft entnommen und organisch gruppirt hat, und dass diese Stoffelemente aus den Thier-und Menschenleibern in anderer, unorganischer Gruppirung in den Boden, das Wasser und die Luft zurückkehren, aus denen sie nur die Pflanze für das organische Leben wieder zurückgewinnen kann.
Die Kohlensäure, die wir heute hier in diesem Saale ausathmen — sie wird durch die Ventilation der Herren Müller und Kellnig der Atmosphäre Leipzigs beigemischt und über Deutschland und Europa, ja über die ganze Oberfläche der Erde fortgeführt, um nach kürzerer oder längerer Zeit von einer Pflanze aufgenommen, und unter dem Einfluss des Sonnenlichts in Kohlenstoff und Sauerstoff zerlegt zu werden. Den freigewordenen Sauerstoff atlimet irgendwo und irgendwann Thier oder Mensch ein, oder es verzehrt ihn ein Hochofen oder eine bescheidene Herdstelle, an der man eben die Mittagssuppe kocht ; den freigewordenen Kohlenstoff verbaut die Pflanze in ihre Kohlehydrate, Fette und Eiweisskörper, die wieder Thieren und Menschen zur Nahrung dienen. Und so können wir dieselben Kohlenstoff-theilcken, welche wir heute hier als Kohlensäure ausgeathmet haben, vielleicht schon im nächsten Jahre auf einer Heise durch Italien im Mehl der Maccaroni Neapels oder im Fleische einer Apfelsine Sorrents wiedergeniessen und so als einen integrirenden Bestandtheil unseres eigenen Blutes und Fleisches zurückerhalten !
Doch, weiteres frappantes Detail dieser Art auszudenken, kann ich füglich Ihrer eigenen Einbildungskraft überlassen, der Sie dabei getrost den kühnsten Flug gestatten mögen, ohne befürchten zu dürfen,
1 Dass der Genius eines Shakespeare den Kreislauf des Stoffes poetisch vorausgeahnt hat, beweist jene Stelle im »Hamlet«, wo es heisst :
»Der grosse Cäsar, todt und Lehm geworden,
Verstopft ein Loch wohl vor dem rauhen Norden.
0 dass die Erde, der die Welt gebebt,
Vor Wind und Wetter eine Wand verklebt!«