19s 	Die Prineipien der mechanischen Naturauffassung.

ihres Sauerstoffgehaltes zu organischen Stoffen, die nur aus Kohlen-
stoff, Wasserstoff und Sauerstoff bestehen (Kohlehydrate: Zellstoff,
Stärkemehl, Gummi, Zucker, Fette und Oele). - Durch Hinzutritt
des Ammoniaks (N H) kommt der Stickstoff zu den drei genannten
noch als viertes Element hinzu und es entstehen vierfache, stickstoff-
haltige, organische Verbindungen. Endlich wird noch der Schwefel
und Phosphor, der in den aufgenommenen schwefelsauren (SO,) und
phosphorsauren (P 05) Salzen steckt, vom Sauerstoff befreit und in
die neuen Gruppirungen miteinbezogen, und es kommt zur Herstellung
der am höchsten complicirten organischen Verbindungen, namentlich
der eiweissartigen Stoffe.
	Diese eigenthumlichen und noch lange nicht im Detail erforschten
Vorgänge, bei denen die einfachen Stoffelemente zu complicirteren
Gruppen von Elementen zusammentreten und Stoffe von höherer Zu-
sammensetzung constituiren, nennt man die organ i sehe Sy n t h e s e
oder progressive Stoffmetamorphose. Von der unansehnlichen Flechte,
welche den feuchten Felsblock überzieht, bis zu den eleganten Zier-
pflanzen unserer Treibhäuser und den mächtigen Baumriesen der
Wälder ist somit die Pflanze als ein natürliches chemisches Labora-
torium zu betrachten, welches, durch die Sonnenstrahlen geheizt und
in Thätigkeit versetzt, Sauerstoff entbindet und sauerstoffarme,
aber hocheomplicirte organische Stoffe producirt und somit der orga-
nischen Synthese oder progressiven Stoffmetamorphose dient. Damit
soll jedoch nicht etwa gesagt sein, dass in den Pflanzen keine anderen,
ja die geradezu entgegengesetzten chemischen Vorgänge (von Sauer-
stoffbindung und von Zersetzung), vorkamen; allein die eben geschil-
derten sind weitaus die wichtigsten und charakteristischesten für die
Bedeutung der Pflanzenwelt im Haushalt der Natur. Die Rolle und
Bedeutung der Pflanzenwelt im grossen Haushalt der Natur muss
nämlich in der That dahin formulirt werden, dass sie e s ist,
welche aus einfachem unorganischem Stoffmaterial
unter Sauerstoffentbindung organische Substanz er-
zeugt.
	Das T hier hat ganz andere Beziehungen zur Aussenwelt als die
Pflanze. Das Thier bedarf zum Aufbau und zur Erhaltung seiner
Körpersubstanzen schon fertiges organisches Stoffmaterial, da ihm
alle Fähigkeit abgeht, aus den einfachen unorganischen Verbindungen
irgend welche Stoffe von organischer Natur und Zusammensetzung
herzustellen. Diese Fähigkeit besitzen von allen Gebilden der orga-
nischen Welt nur die vom Sonnenlicht bestrahlten grünen Pflanzen-
theile. Die Thierwelt kann also nirgendwo anders als in den organi-
