	II. Kreislauf der Stoffe in den drei Naturreichen.	199

sehen Stoffen, welche die Pflanzen gebildet und aufgespeichert haben,
das ihr unentbehrliche organische Stoff- oder Nahrungsmaterial finden
- und wenn auch in den Säften und Geweben der Thiere eigenthum-
liche organische Stoffe enthalten sind, welche in den Pflanzen nicht
vorkommen, so sind dieselben nicht etwa vom Thiere selbst aus un-
organischen Elementen neu gebildet worden, sondern nur Modifica-
tionen jener organischen Pflanzenstoffe, welche das Thier entweder
unmittelbar in seiner Pflanzenkost aufgenommen hat, oder welche
das Thier, wenn es, wie die reinen Fleischfresser - Luwen und Tiger
z. B. - niemals Pflanzenkost geniesst, in ittelb ar ans solcher erhält,
indem es andere Thiere verzehrt, die entweder selbst Pflanzenfresser
sind oder sich von Pflanzenfressern nähren. Kurz: da s Thier ent-
nimmt das ihm unentbehrliche organische Stoffmate-
rial in Form von Kohlehydraten, Fetten ii nd Eiweiss-
körpern, mittelbar oder unmittelbar, somit letzten
Endes immer nur der Pflanzenwelt.
	Die unorganischen Stoffe, welche das Thier zur Erhaltung seines
Lebens noch weiter bedarf - Wasser und Mineralsalze - findet es
zum Theil ebenfalls schon in den Pflanzen, zum Theil eignet es sieh
dieselben jedoch unmittelbar aus der unorganischen 'Welt an. Unter
diesen letzteren Stoffen ist es vor Allem der fr e i e S au erst off,
welchen das Thier, als wichtigstes und unentbehrlich stes Lebensele-ment, 
vermittelst seiner Athmungsorgane, unmittelbar entweder der
Atmosphäre oder, wie alle im Wasser lebenden Thiere, der im Wasser
absorbirten Luft entnimmt. Der freie Sauerstoff dringt durch die Ath-
mungsfluichen in die Blut- oder Säftemasse des Thieres und wird im
ganzen Körper desselben vertheilt; so gelangt er mit allen Bestand-
theilen der lebenden thierischen Gewebe, so wie mit dcii durch die Ver-
dauung modificirten und ebenfalls in und durch die cireulirende Blut-
und Säftemasse aufgenommenen und im ganzen Körper vertheilten
Nahrungsstoffen in innige Berührung. Die nothwendige Folge davon ist,
dass im Thiere alle die organischen Substanzen, die es der Pflanzen-
welt entnommen, einer langsamen Verbrennung, einer allmählichen
Oxydation verfallen und, durch Spaltung in immer einfachere und
höher oxydirte Verbindungen zerlegt, zuletzt die uns schon bekannten
unorganischen Eudproducte: Kohlensäure, Wasser, Ammoniak und
Mineralsalze, liefern. Der Lebensprocess bietet somit genau dieselben
letzten Zersetzungs- und Zerstörungsproducte wie die rasche künst-
liche Verbrennung und die träge verlaufende Fäuluiss. Das Thier
scheidet in der That während seines lebendigen Bestehens ununter-
brochen nebst Mineralsalzen Kohlensäure, Wasser und stickstoffhaltige,
