210 	Die Principien der mechanischen Naturauffassung.

sie Molen, von moles, Masse, so genannt. Es sind das sowohl die klein-
sten berhaupt wahrnehmbaren und messbaren Massentheilchen, als
auch die grberen Massen, wie sie in der uns umgebenden Krperwelt
unmittelbar zur Erscheinung kommen.
	Ich habe Ihnen hiermit die Massen oder Molen der Materie aus
Uratomen, Atomen und Moledlen sozusagen theoretisch aufgebaut;
jetzt gedenke ich, von dem festen Boden sinnlicher Erfahrung aus-
gehend, Sie an der Hand der Beobachtung und des Experiments den
durchlaufenen Weg zurckzufhren, Ihnen die Ueberzeugung beizu-
bringen, dass die dargelegten Grundzge der atomistischen Hypothese
oder Theorie von der Constitution der Materie kein Hirngcspinnst sind,
sondern auf fester, unerschtterlicher Basis ruhen. - Prfen wir also
zunchst, ob unsere Vorstellung, der gemss die Materie im Allgemei-
nen sich dreistufig, aus Uratomen, Atomen und Moledlen aufbaut, eine
berechtigte ist, ob dieselbe Materie sich etwa experimentell wieder
zurck in ihre Moledle, Atome und Uratome zerlegen oder theilen
lasse; denn offenbar ist die T h ei lb ark ei t der Materie eine nothwen-
dige Consequcnz dieser Vorstellung. - Zn diesem Ende wollen wir
unsere Aufmerksamkeit vor Allem einem wohlbekannten Krper, dem
Wasser, zuwenden.
	Wir kennen das Wasser in drei verschiedenen Zustnden oder For-
men: als festes Eis, als flssiges Wasser und als gasfrmigen
Dampf.
	Wenden wir die Mittel der mechanischen Zerkleinerung auf ein
Stck Eis an, so knnen wir es in immer kleinere Stcke zerbrechen,
ja wenn wir nur Sorge tragen, die Temperatur unter dem Gefrierpunkt
zu erhalten, knnen wir es ganz fein pulvcrisircn. Aber das feinste
Eispulver besteht noch immer nur aus Eisfragmenten, und das denkbar
kleinste, diesem Eisstaube entnommene Thcilchen ist und bleibt nichts
mehr und nichts weniger als ein starres Stckchen Eis - eine El s -
mole. Es ist erfahrungsgemss noch nie gelungen, durch mecha-
nische Mittel die Thcilbarkcit der Materie weiter zu treiben.
	Ganz anders verhlt sich die Sache, wenn wir Eisinasscu, einerlei
ob in grossen Stcken oder in verschwindend kleinen Staubtheilchen,
dem Einfluss der Wrme aussetzen. Wir sehen dann, wie das Eis
schmilzt, d. h. zu flssigem Wasser wird, und die denkbar kleinsten
starren Eismolen oder Stubchen documentiren durch dieses ihr
Flssigwcrden, dass sie aus u n in e ss b a r kleinen Thcilchen oder Mo-
1 e c  1 en Verkleinerungswort von Mole zusammengesetzt sein mssen,
welche durch den Einfluss der Wrme leicht verschiebbar geworden
sind, whrend sic in der starren Eismole unverrckbar feste Stellungen
