	III. Lehre von den Atomen und ihrer Unzerstrbarkeit.	211

gegen einander hatten. - Fahren wir fort, dem entstandenen flssigen
Wasser Wrme zuzufhren, so steigt dessen Temperatur von 00, die es
trotz der Wrmezufuhr so lange beibehlt, als noch eine Spur von Eis
ungesehmolzen blieb, - rasch bis auf 1000 0., den Siedepunkt, und
das flssige Wasser wird in Dampf verwandelt, wird gasfrmig. Sorgt
man dafr, das Wassergas auf derselben Temperatur zu erhalten, so
ist es leicht zu constatiren, dass es einen 1689 mal grsseren Raum ein-
nimmt, als das flssige Wasser, aus dem es hervorgegangen war. Es
folgt hieraus, dass die nnmessbar kleinen Zwischenrume zwischen den
Moleclen des flssigen Wassers bei der Umwandlung desselben in gas-
frmiges Wasser 1689 mal grsser geworden sind, - obschon sie auch
dann noch nnmessbar klein bleiben, - und dass die Molecle in Folge
des Einflusses der Wrme eine noch grssere Versehiebbarkeit und
Beweglichkeit erhalten haben, als sie im flssigen Wasser besassen.
	Wir gelangen auf diese Weise mit Nothwendigkeit zu der Vorstel-
lung, dass auch die kleinsten Massen oder Molen ans Aggregaten noch
kleinerer, d. h. nnmessbar kleiner Theilehen oder Moleele bestehen,
zwischen welchen die Anziehungs- und Abstossungskraft in verschie-
dener Weise thtig sind. Der gegenseitigen Anziehung der Moleele
verdanken starre Krper, wie das Eis, ihre Form und Festigkeit;
die moleenlare Abstossung dagegen bedingt in gasfrmigen Kr-
pern, wie im Wassergas, ihre freie Beweglichkeit und ihr Bestreben,
sieh zu verflchtigen: in fl  ssi gen Krpern, wie im flssigen Wasser,
sind die beiden Formen moleeularer Thtigkeit auf einer Zwischenstufe
ins Gleichgewicht getreten. Die Molecle der Flssigkeiten werden
noch mit betrchtlicher Anziehung in unvernderlichen Entfernungen
an einander gehalten Tropfenbildung), knnen sieh jedoch mit Leich-
tigkeit uni einander verschieben, so dass das Aggregat, welches sie
bilden, zwar stets das gleiche Volumen behalten muss, dagegen j cd-
wede Begrenzungsform oder ussere Gestalt anzunehmen im Stande ist.
	Die unmessbar kleinen Theilehen des Eises, des Wassers und des
Wassergases sind in allen drei Cohsionsformen identisch, und sie sind
an sich weder starr, noch flssig, noch gasfrmig: nur die wahrnehm-
baren Massenaggregate, welche bei verschiedenen Wrmegraden sieh
ans ihnen aufbauen, zeigen die verschiedenen Grade des festen, flssi-
gen oder gasfrmigen Zustandes der Materie.
	Erfahrungsgemss ist jedoch die Theilbarkeit der Materie mit
dieser Auseinanderdrngung der Moleele noch nicht zu Ende. So un-
aussprechlich klein wir uns auch die unmessbaren Moleele des Was-
sers denken mgen, wir knnen thatsehlieh jedes derselben durch
chemisch-physikalische Einwirkung noch in zwei Theile spalten, zer-
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