214 	Die Principien der mechanischen Naturauffassung.

gedacht werden sollen, hat fr die Naturforschung kein praktisches
Interesse mehr, da sie nur so weit Hypothesen baut, als sie derselben
zur Verknpfung und Erklrung der Thatsachen und zum Ansatze des
mathematischen Calcttls eben bedarf. Dagegen bemchtigt sich jene
Philosophie, welche, wie die Philosophie des Unbewussten von HART-
MANN, einsichtig genug ist, die Atomentheorie als die allein mgliche
und fruchtbringende Auffassungsweise der Constitution der Materie
anzuerkennen, dieser Frage nach der Stofflichkeit der Uratome und
kommt zu dem Resultate, dieselben als absolut ausdehnungslose, ma-
thematische Punkte, als blosse Kraft cent r a vorzustellen, wodurch
die Materie, der Stoff, in ein System von atomistischen Krften verfitich-
tigt wird. Die empirische Atomentheorie wird so zum atom is tischen
Dynamism us, welcher allen Anforderungen sowohl der exacten
Naturwissenschaft, wie der metaphysischen Speculation Genge leistet.
	Ich citire die Stelle wrtlich, in welcher HARTMANN die Grundzge
seines atomistischen Dynamismus meisterhaft recapitulirt.
	Es gibt gleich viel positive und negative, d. Ii. anziehende und
abstossende Krfte. Die Wirkungsrichtungen jeder Kraft schneiden
sich in einem mathematischen Punkte, welchen wir den Sitz der Kraft
nennen. Dieser Sitz der Kraft ist beweglich, d. h. im Raume verschieb-
bar. Jede Kraft wirkt auf jede andere auf dieselbe Weise, gleichviel,
welches Vorzeichen dieselbe hat. Die positive Kraft heisst Krper-
atom, die negative Aetheratom. Auf eine gewisse endliche Entfernung
ist die Abstossung eines Aetheratonis und die Anziehung eines Krper-
atoms gleich, aber da das Gesetz ihrer Vernderung mit der Entfernung
verschieden ist, berwiegt zwischen dem Aether- und Krperatom auf
kleineren Entfernungen die Abstossung, auf grsseren die Anziehung.
	Krperatome mit zwischengelagerten, sie auseinanderhaltenden
Aetheratomen vereinigen sich zu den Moleclen (wir nannten sie Atome,
whrend wir die zu ihnen sich vereinigenden Krper- und Aetheratonte
Uratome nannten) der chemischen Elemente, diese auf dieselbe Weise
zu den Moleclen der chemisch zusammengesetzten Krper, diese zu
den materiellen Krpern selbst.
	Die Materie ist also ein System von atomistischen Krften in einem
gewissen Gleichgewichtszustande. Aus diesen Atomkrften in den ver-
schiedenartigsten Combinationen und Reactionen entstehen alle soge-
nannten Krfte der Materie, wie Gravitation, Schwere, Expansion,
Elektricitt, Krystallisation, Elasticitt, Galvanismus, Magnetismus,
chemische Verwandtschaft, Wrme, Licht u. s. w. 1'

1 Philos. d. Tjnbew. - 2. Aufl. S. 442.
