III.

Lehre von den Atomen und ihrer Unzerstörbarkeit,





	Ich darf, meine Herren, mich heute der wenig beneidenswerthen
Aufgabe nicht entziehen, Sie in eine unmessbare und unsichtbare Welt,
in die der Atome, einzuführen, und indem ich dies versuche, möchte
ich vorausschicken, dass ich mit der Darstellung von dem Baue, der
Constitution, der Natur der minimalen Stofftheilchen zwar ein nicht
ganz sicheres, schwankendes Gebiet betrete, jenes der Hypothese
nämlich; dass ich es jedoch in der vollen Ueberzeugung thue, die
Hypothese sei im Allgemeinen weit besser als ihr Ruf, dort wo sie in
wissenschaftlichen' Sinne gepflegt wird. Es sind in der That die gering-
sten Fortschritte der Wissenschaft durchaus nicht, die wir allein der-
artigen Hypothesen zu verdanken haben, ja, man kann im Gegentheil
ohne jede Uebertreibung behaupten, dass die grössten Errungenschaften
der Wissenschaft zu allen Zeiten hypothetischen Annahmen entsprossen
sind. Hören Sie, was einer der ersten Vertreter der modernen Chemie,
HOFFMANN in Berlin, dort, wo er das Zusammentreten der chemischen
Atome nach bestimmten Gewichtsmengen erörtert, in dieser Richtung
sagt:
	»Die Ursachen der beobachteten Wirkungen sind uns bis jetzt
fremd geblieben. Zu ihrer Erforschung fühlen wir uns gleichwohl durch
einen der mächtigsten Impulse unserer intellectuellen Natur unwider-
stehlich hingezogen. Dieser instinctive Forschungstrieb scheint niemals
völlig befriedigt werden zu können. Die 1etzte der Ursachen liegt
immer jenseits der Grenzen unseres Fassungsvermögens, unserer Ur-
theilskraft. Die Bedingungen, unter denen sieh die Erscheinungen
gestalten, die Verhältnisse ihrer Reihenfolge und ihrer Aehnlichkeit
sind dagegen berechtigte Aufgaben der Untersuchung, ihre wahre Na-
tur, ihr letzter Ursprung bleiben uns unergründliches Geheimniss.
Allein der Lösung selbst solcher, über das uns zugängliche Gebiet
nicht hinausgreifender Aufgaben stellen sieh Schwierigkeiten aller
